Ausgabe Nr. 2/2025

20 André König in Lyss ist die erste Tankstelle in der Schweiz, an welcher der umweltfreundliche Diesel HVO100 für alle erhältlich ist. Wie sinnvoll ist es, dass die Politik im Kampf gegen die Klimaerwärmung Vorschriften zur eingesetzten Technologie macht? Eine rhetorische Frage, denn wie Wissenschaftler wie Christian Bach von der Empa erläutern, kommt es nicht auf die Art und Weise der Energienutzung an, sondern darauf, ob die genutzte Energie aus nachhaltiger Quelle stammt. Exemplarisch dafür sind die viel diskutierten Verbrenner-Verbote. Werden im Verbrennungsmotor nachhaltige Treibstoffe verwendet, ist das Fahrzeug umweltfreundlicher unterwegs als ein Elektrofahrzeug, das mit Kohlestromanteil geladen wird. Saubere Sache Nachhaltige Treibstoffe sind aber keine Zukunftsvision, sondern bereits heute grundBislang gab es in der Schweiz keine öffentliche Tankstelle, an welcher der umweltfreundliche Diesel HVO100 gezapft werden konnte. Mit der Tankstelle von André König in Lyss ist hierfür Anfang Jahr ein neues Kapitel aufgeschlagen worden. TEXT UND FOTOS: MARTIN SCHATZMANN 90 Prozent weniger CO2 Erste Dieseltankstelle mit HVO100 in Lyss sätzlich weitverbreitet. Ein Beispiel dafür ist HVO, Hydrotreated Vegetable Oils, zu Deutsch wasserstoffbehandelte Pflanzenöle. Seit über zehn Jahren entsteht aus gebrauchtem Speiseöl, aus tierischen Fetten der Lebensmittelindustrie und aus Rückständen der Zellstoffproduktion ein Hochleistungstreibstoff, der die strenge Norm DIN EN 15940 erfüllt und gegenüber herkömmlichem Diesel den CO2-Ausstoss um 85 bis 90 Prozent verringert. Diese Reduktion erstreckt sich über den gesamten Herstellungsprozess, inklusive der Verbrennung im Motorraum. Und der schwefellose Treibstoff verbrennt viel sauberer als Diesel, mit positiven Auswirkungen auf Stickoxide, Feinstaub/Russ und Geruch. Die Eigenschaften von HVO sind in der Fahrzeug- und Motorenbranche bekannt und praktisch alle Hersteller haben ihre Triebwerke ebenfalls rückwirkend für den Einsatz mit HVO freigegeben. Das heisst, HVO kann ohne zusätzliche Massnahmen mit jedem Dieselmotor genutzt werden. Das macht Schule. BMW zum Beispiel betankt Dieselautos im Werk für die Ablieferung mit HVO. Im Transportwesen wird bereits heute mit HVO der CO2Fussabdruck verringert und diverse Strassentransporteure, aber auch die SBB, haben ihre firmeneigenen Tankstellen auf HVO umgerüstet, teilweise auf reinen HVO100, teilweise auf HVO-Blends (gemischt mit normalem Diesel). Dabei ist Umrüsten ein grosses Wort, denn grundsätzlich braucht es wie beim herkömmlichen Diesel einen Tank und eine Zapfsäule, spezielle Investitionen

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