Ausgabe Nr. 7/2025

11 Nr. 7 | 2025 FAHRZEUGE UND TECHNIK Gesetzlichen Rahmen setzen Christian Levin glaubt, dass Europa sich klarer zu älterer Lkw-Antriebstechnologie positionieren sollte, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen. «Von Euro1 bis Euro6e haben Industrie und Gesetzgeber zusammengearbeitet», meint er. «Das gab uns Klarheit. Trat ein neuer Abgasstandard in Kraft, konnte der bisherige nicht mehr zugelassen werden.» Das gleiche Prinzip sollte auch heute zur Anwendung gelangen, um die Einführung von Elektro-Lastwagen zu beschleunigen. Das müsste sowohl für Low-Emissions- und ZeroEmissions-Fahrzeuge der Fall sein. «Aber so ist das aktuell in Europa nicht vorgesehen, in China hingegen schon.» Gemäss Christian Levin liegt die Durchdringung von ElektroLastwagen in China bei 30 Prozent, was durch strikte Politik, rasche Regulierung und gezielte Anreize ermöglicht wurde. Ein starker Kontrast zu Europas trägem Patchwork-Ansatz. «Wir müssen drastische Massnahmen ergreifen», warnt er. Es seien nur noch 4,5 Jahre bis 2030. «Wie sollen wir in der kurzen Zeit ohne drastische Schritte den Sprung von 3,5 auf 35 Prozent Marktanteil für E-Trucks bewerkstelligen? Wir werden es schlicht nicht schaffen, wenn wir jetzt nichts ändern.» Will Shiers, MS Christian Levin, Nutzfahrzeugvorsteher des europäischen Automobilherstellerverbands ACEA, fordert rasche Gespräche mit Brüssel und die Überprüfung der 2030er-CO2-Ziele. problem mehr», so Levin, «alles andere ist das Problem.» Die Infrastruktur? Aktuell gibt es in Europa an noch nicht einmal 1000 Standorten Ladestationen, an welchen auch schwere Nutzfahrzeuge problemlos geladen werden können. «Die meisten davon verfügen auch nicht über MegawattCharging, welches für den Langstreckentransport nötig wäre», meint Levin. Doch der wirkliche Flaschenhals sieht ACEAs Nutzfahrzeug-Vorsitzender beim Ausbau des Starkstromnetzes. Selbst in seinem Heimatland Schweden könne es bis zu zehn Jahre dauern, bis ein neues Kabel im Boden verlegt sei. «Es geht längst nicht mehr nur darum, Ladestationen zu errichten, sondern darum, diese auch mit dem nötigen Strom versorgen zu können.» Zudem dauerten die Bewilligungsprozesse hierfür oft viel zu lang und seien frustrierend unbrauchbar. Geschäftsmodelle Damit Transportunternehmen auf elektrische Lastwagen umstellten, müssten sich daraus auch echte Geschäftsmodelle ergeben. In der Schweiz mit dem aktuell noch gewährten Erlass der LSVA ist ein TCO-Vorteil beim Elektro gegenüber dem Diesel noch vielfach gegeben, in Europa aber gemäss Levin oft nicht. «Einen Diesel zu benutzen ist in den meisten Fällen heute noch immer günstiger als ein Elektrolastwagen. Das müssen wir ändern», sagt Levin. Mögliche Lösungen sieht er in einem Mix aus Kohlenstoffsteuer, Steuererleichterungen und neuen Finanzierungsmodellen. «Es ist absurd, dass fossile Treibstoffe in Europa geringer besteuert sind als die Elektrizität. Wir müssen es teurer machen, Schadstoff auszustossen.» Selbst wenn das passende Fahrzeug, die passende Infrastruktur und die passende Finanzsituation, respektive TCO, gegeben sind, benötigen Transportunternehmen auch von Kundenseite die Zusage, dass sie gewillt sind, sich an der Finanzierung der Schadstoffreduktion zu beteiligen. «Keiner kauft einen Lastwagen aus Spass», sagt Christian Levin. «Lastwagen sind eine Investition. Aber wenn der Transportvertrag über nur ein oder zwei Jahre läuft, wie lässt sich da der Kauf eines 300 000 Euro teuren Elektro-Lkws rechtfertigen?» Es bräuchte jetzt längerfristige Verträge, klarere Signale von den Regierungen und ein klares Bekenntnis von öffentlichen und privaten Transportauftraggebern. «Die öffentliche Beschaffung sollte heute generell Null-Emissions-Transporte voraussetzen», fordert Levin. «Wir haben die Fahrzeuge, lasst uns die Nachfrage schaffen.» Zu wenig Dialog Mit Blick auf die Dringlichkeit, welche beim Thema gegeben ist, zeigt sich Christian Levin frustriert über den fehlenden Dialog mit der Europäischen Kommission. Er spricht dabei den Massnahmenplan der EU an, mit welchem die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie erhalten werden soll und den die EU in Rekordtempo durchgebracht hat. «Aber wir sind nicht Personenwagen. Nutzfahrzeuge sind eine komplett andere Angelegenheit, und wir werden aktuell von den Gesprächen ausgeschlossen.» ACEA hat seither in einem offenen Brief von der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dringliche Gespräche und eine möglichst frühzeitige Überprüfung der CO2-Ziele für 2030 gefordert. «Wir als europäische Lastwagen-Hersteller unterstützen die Klimaziele mit vollen Kräften», so Levin. «Aber ohne Unterstützung bei Infrastruktur, TCO und Nachfrage werden wir es nicht schaffen, und die Strafzahlungen werden echten Schaden in unserer Industrie anrichten.» ■ Entdecke jetzt unser vielseitiges Kursangebot — by ASFL SVBL —

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