13 Nr. 7 | 2025 FAHRZEUGE UND TECHNIK BRENNSTOFFZELLE HAT ES BEI LIEFERWAGEN SCHWER Auch Stellantis stoppt Wasserstoff-Vans Während bei den schweren Nutzfahrzeugen die Bedeutung der Wasserstoff-Brennstoffzelle wächst, kämpft das Thema beim Auto und bei Lieferwagen um grundsätzliche Akzeptanz. Nachdem bereits vor ein paar Monaten die auf den Renault-Lieferwagen basierende Firma Hyvia mangels Perspektiven ihre Tätigkeiten eingestellt hat, zieht jetzt auch die Nutzfahrzeugsparte von Stellantis (Pro One) die Reissleine. Geplant gewesen wäre in diesen Wochen die Lancierung der zweiten Generation des mittelgrossen Wasserstoff-Vans (z.B. Opel Vivaro) und erstmals auch eines grossen Vans (z.B. Opel Movano). In der Mitteilung von Mitte Juli begründet Stellantis den Schritt mit der begrenzten Verfügbarkeit der WasserstoffTankstelleninfrastruktur, mit den hohen Kapitalanforderungen und den zu geringen Kaufanreizen für Verbraucher. Aus diesen Gründen erwartet Stellantis Pro One nicht, dass sich wasserstoffbetriebene leichte Nutzfahrzeuge vor Ende des Jahrzehnts flächendeckend etablieren dürften. Betroffen von diesem Entscheid ist auch der Brennstoffzellen-Lieferant von Pro One, Symbio. Als weltweit agierende Firma, an welcher neben Stellantis auch Michelin und Forvia zu je einem Drittel beteiligt sind, will Symbio seine Tätigkeiten fortführen und u.a. ein 75-kW-Brennstoffzellensystem auf den Markt bringen, das für unterschiedliche Anwendungen genutzt werden kann. Martin Schatzmann Neu: Iveco S-eWay Fuel Cell Vier Lkw in der Schweiz in die Kundenerprobung gestartet Mit Iveco ist nun ein zweiter Lastwagenhersteller bereit für den Brennstoffzelleneinsatz im Schwerverkehr. Der Iveco S-eWay Fuel Cell wird zwar noch in einer Vorserie produziert, doch werden diese Fahrzeuge über ganz Europa verstreut zum Einsatz gebracht. Beispielsweise wurden an BMW für die Werklogistik rund ums Werk Leipzig zwei Sattelschlepper ausgeliefert. Auch in der Schweiz wurden soeben vier 6×2-Sattelschlepper in den Kundeneinsatz geschickt. Zwei stehen bei G. Leclerc (Egerkingen) im Einsatz und zwei bei der Migros Ostschweiz (Gossau). Beide kennen die Brennstoffzellenthematik, da sie seit fünf Jahren bereits den Xcient Fuel Cell (siehe links) von H2-Pionier TEXT: MARTIN SCHATZMANN FOTO: G. LECLERC / MIGROS Hyundai Hydrogen Mobility HHM im Fuhrpark haben. Eckdaten des Iveco Neben der Brennstoffzelle, in welcher der Wasserstoff in Strom für den Vortrieb gewandelt wird, nutzt auch der Iveco eine Hochvoltbatterie für die variable und teils sehr hohe Leistungsabgabe an den Motor sowie für die Rekuperation. Die Brennstoffzelle leistet 200 kW (2×100 kW), die Batterie hat 164 kWh (2×82 kWh) Kapazität und die integrierte Elektroachse leistet satte 480 kW (653 PS). Das Tanksystem bunkert Wasserstoff mit bis zu 700 bar Druck. Auf diese Weise könDie beiden anderen laufen bei der Genossenschaft Migros Ostschweiz. Die G. Leclerc Transport AG fährt zwei der vier brandneuen Iveco S-eWay Fuel Cell. nen bis 70 kg Wasserstoff mitgeführt werden, was Reichweiten von bis zu 800 km ermöglicht. Hat der Wasserstoff aber nur 350 bar, reduziert sich die mitgeführte Menge auf 40 kg und die Reichweite auf 450 km. «Der Vorteil von Brennstoffzellen-Fahrzeugen ist, dass sie schnell aufgetankt sind», sagt Daniel Balmer, Leiter Transportlogistik der Migros Ostschweiz. Weitere Pluspunkte sind gemäss Balmer, dass FCEV-Trucks sehr leise und dank grünem Wasserstoff absolut emissionsfrei unterwegs sind. Der grüne Wasserstoff für die Migros-Trucks entsteht praktisch in Gossau vor der Tür, im nahe gelegenen Wasserkraftwerk Kubel. ■
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