Ausgabe Nr. 7/2025

16 FAHRZEUGE UND TECHNIK Bei den effizienteren Elektro-Trucks wird die Hälfte der Antriebsenergie zur Überwindung des Luftwiderstands aufgewendet. Satte 180 km Abwechslung Die Fähigkeiten von Lastwagen vergleichen zu wollen, ist ob der schieren Vielfalt an Spezifikationen und Einsatzlösungen für uns praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Um gleichwohl eine minimale Vergleichsmöglichkeit zu erhalten, befahre ich zumindest mit Sattelzügen eine immer gleiche Strecke. Sie widerspiegelt während rund 180 km die abwechslungsreiche Topografie der Schweiz und sie ermöglicht mir, gewisse Funktionen und Abstimmungsmöglichkeiten des jeweiligen Fahrzeugs besser einordnen zu können. Diese Strecke umfasst die MittellandAutobahn A1 zwischen Oensingen und Kerzers, führt überland durch die Gemüsekammer des Berner Seelands bis nach Lyss und auf der Schnellstrasse bis Biel. Nach der Stadtdurchfahrt West–Ost erfolgt im Bözingenfeld über die steile Autobahnrampe der Einstieg auf knapp 20 km Transjurane. Durchs Vallée de Tavannes fahren wir erneut überland bis Moutier – parallel zur Transjurane – und dann via Gänsbrunnen nach Balsthal, durch die Klus wieder an den Jurasüdfuss bei Oensingen. Martin Schatzmann Der Service-Tritt ist deutlich breiter als herkömmliche Ausführungen und ist auch als Pausenbank mit Becherhalter konzipiert. entspannt unterwegs. Das ganze unaufgeregte Verhalten des E-Antriebs hat sich auf mich übertragen», sagt Stephan Manfredi nach vier E-Truck-Testtagen. Mangels Vergleichsmöglichkeit lässt sich aus der Testrunde nicht abschliessend sagen, wie sparsam der Volvo mit seiner elektrischen Energie haushaltet. Aber mit teilweise sehr steilen Passagen durch die vordersten JuraHügel fällt der Schnitt über die ganze Strecke mit 115,6 kWh/100 km durchaus moderat aus. Bei der verbauten Batteriekapazität des Testtrucks von 540 kWh sind demnach Reichweiten von bis zu 450 km möglich. Auf der A1 am Jurasüdfuss, wo wir mit Tempomat und 84 km/h dahincruisten, sank diese Zahl gar unter die 100-kWh-Schwelle und kam auf 98,6 kWh/100 km zu liegen. Mit der Aero-Front hat Volvo den Luftwiderstand spürbar und den Energieverbrauch um 5 % reduziert. Das wiegt sicher im Überlandverkehr besonders stark, doch bereits ab Geschwindigkeiten von 50 und 60 km/h wird der Luftwiderstand relevant. Übrigens muss bei den grundsätzlich effizienteren E-Lastwagen rund die Hälfte der Antriebsenergie zur Überwindung des Luftwiderstandes aufgewendet werden, beim Diesel mit generell höheren Verlusten ist es lediglich ein Drittel. DC- und AC-Laden Natürlich lässt sich der FH Aero Electric an jedem DC-Fastcharger mit Energie versorgen, doch der Volvo besitzt auch ein OnboardLadegerät (43 kW) für einen WechselstromAnschluss. Damit lässt sich auch die grösste Batterie in zehn, elf Stunden laden. Andere OEM verzichten aus Platzgründen auf diese kostengünstige Möglichkeit und ermöglichen ausschliesslich das Gleichstrom-Laden. Den FH Electric auf unsere Testrunde nehmen zu können, hat mir den Elektro- Lastwagen noch einmal deutlich nähergebracht. Dabei haben neben besagtem Geräuschkomfort auch die Detaillösungen des Volvo FH Aero gefallen. Dazu zählt der massive Fronttritt, der sicheres Scheibenreinigen garantiert, aber auch als Pausenbänkli für die Ruhezeit dienen kann. Und die Ruhezeit ist eben vorbei, wir müssen weiter. Gute Fahrt! ■

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