17 Nr. 8 | 2025 FAHRZEUGE UND TECHNIK Symbolik zum Start von Artour, mit Vertretern aller beteiligten Firmen und Behörden, ganz links Hansueli Bruderer. Karsan-Cockpit für den Sicherheitsfahrer. 20 Sitzplätze, Angurten obligatorisch. Adastec liefert Sensoren und Steuerung. Arbon ist vorbereitet für Artour. DER LANGE WEG ZUM EIGENTLICHEN PROJEKTZIEL Unbegleitet erst ab Mitte 2028 – Im Laufe von Q4 2025 wird Artour seine Route mit Passagieren befahren, mit Sicherheitsfahrer auf dem Fahrersitz. – Im kommenden Jahr Testbetrieb mit Sicherheitsfahrer und teilweise Teleoperation (Bild: Steuerstand im Busdepot). – Erste Jahreshälfte 2027 Betrieb mit Teleoperation, aber Sicherheitsfahrer auf dem Fahrersitz. – Zweite Jahreshälfte 2027 Betrieb mit Teleoperation, Sicherheitsfahrer neben dem Fahrersitz. – Erste Jahreshälfte 2028 Betrieb mit Teleoperation, Sicherheitsfahrer begleitet nur noch im Fahrgastraum. – Ab zweiter Jahreshälfte 2028 Betrieb komplett mit Teleoperation, ohne Sicherheitsfahrer im Bus. Martin Schatzmann und angegurtet mitfahren. Artour ist daher ein anderes Kaliber als die Kleinfahrzeuge der bisherigen Projekte autonom fahrender Busse in Sion, Bern oder Neuhausen am Rheinfall. «Unser Ziel ist es, etwas zu schaffen, das auch der Bevölkerung einen Mehrwert bringt», erklärte Projektleiter Hansueli Bruderer am Startevent Mitte August. Das sieht das Bundesamt für Verkehr BAV ähnlich. «Die bisherigen Projekte waren eher mit fraglichem Nutzen für den ÖV, denn die Busse waren zu klein, zu langsam und nicht behindertengerecht», sagt Barbara Zollinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin des BAV. Artour hingegen sieht sie als wichtigen Schritt für die Zukunft der Mobilität. Denn aus dem Projekt erhofft man sich Kostenoptimierungen im ÖV, was wiederum Gelder für andere Projekte freiwerden lässt, die bislang mangels Finanzen von Bund und Kantonen nicht unterstützt werden konnten. Während die Elektroantriebstechnik heute als erprobt und zuverlässig bezeichnet werden kann, ist der Knackpunkt jene Technik, welche den Fahrer dereinst ersetzen soll. Für Sensorik und Steuerelektronik gelangen die Technik und das Know-how der US-amerikanischen Firma Adastec zum Einsatz. Karsan hatte sich bereits früh auf die AdastecTechnik festgelegt. Aus der Ferne Bei den bisherigen autonom fahrenden Busprojekten von Karsan setzen die Betreiber einzig auf die Sicherheitsfahrer, die Idee der Fernbetreuung feiert in Arbon Weltpremiere, wie Karsan-CEO Okan Bas Mitte August bestätigt. Auch die gesetzlichen Grundlagen sind dazu noch sehr jung. «In der ersten Phase der Projektarbeit war eine Fernüberwachung von Gesetzes wegen noch gar nicht denkbar», erklärt Hansueli Bruderer. «Erst 2023, durch die Änderung des Strassenverkehrsgesetzes SVG, konnten wir überhaupt damit beginnen, die Fernüberwachung ins Projekt zu integrieren.» Betrieben wird Artour von der Eurobus Ostschweiz AG am Standort Arbon, dort ist auch die Leitstelle für Artour untergebracht. In der Leitstelle ist man dank Remote Reporting stets über den Status des Fahrzeugs im Bilde und es kann mit Remote Control ferngesteuerte Hilfe geleistet werden. Solche manuellen Eingriffe werden zu Beginn vom Sicherheitsfahrer vorgenommen, doch mit fortschreitendem Projekt sollen sie immer mehr aus der Leitstelle erfolgen. «Nur wenn das funktioniert, wird es dereinst möglich werden, dass ein Leitstellenmitarbeiter für eine ganze Anzahl Busse zuständig sein wird», ist Hansueli Bruderer überzeugt. Parallel zur Projektentwicklung dürfte sich auch die Gesetzeslandschaft ändern, denn eine solche Änderung wird nötig werden, damit nach Ablauf des Pilotprojektes Artour in einen regulären Linienbetrieb ohne Sicherheitsfahrer überführt werden kann. Davon darf auch ausgegangen werden. Erwin Wieland, Vizedirektor ASTRA, erklärt: «Solche Pilotversuche erlauben uns die seriöse Anpassung der Gesetze.» Darüber hinaus ist Wieland überzeugt, dass solche Pilotversuche helfen, die Akzeptanz in der Bevölkerung auszubauen. Grosse Unterstützung Artour ist in der Region breit abgestützt, unter anderem durch die Projektpartner Stadt Arbon, Arbon Energie AG, Eurobus, Postauto AG und Larag. Dass Artour finanziell überhaupt starten konnte, ist auf 1,8 Mio. Franken aus der Privatisierung der Thurgauer Kantonalbank zurückzuführen, die der Kanton Thurgau gesprochen hatte. In den Genuss solcher Gelder kommen noch 19 weitere Projekte im Thurgau, doch ist Artour das erste davon, das realisiert ist. ■
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