Ausgabe Nr. 8/2025

19 Nr. 8 | 2025 FAHRZEUGE UND TECHNIK Bitte umblättern Praxisvergleich Ausser Konkurrenz Da der Hess-Bus aus der Schweiz lediglich 10,6 m lang ist, läuft er beim Vergleich in Bonn ausser Konkurrenz. Dabei handelt es sich um einen speziellen Technologieträger auf Basis des Lightram 10 Plug, der darauf ausgelegt ist, durch noch höherer Energieeffizienz die Reichweite des Fahrzeugs zu verlängern. So ist der Bus u.a. zusätzlich isoliert, um Kältebrücken zu vermeiden. Dazu gehören eine Bodenisolation, gasbefüllte Doppelverglasung und Luftvorhänge an den Türen, die das Entweichen der temperierten Innenluft an den Haltestellen verringern. Auf diese Weise konnte der Komfort-Stromverbrauch um 30% gesenkt werden. Die neue Zellgeneration der NMC-Batterie hat dank höherem Nickelanteil eine höhere Energiedichte und 15% mehr Kapazität. Dieses rollende Labor wurde von der ETH Zürich und der Berner Fachhochschule mitentwickelt. Der Bus läuft bei der VBZ Zürich, ein ähnlicher Gelenkbus in der Region Solothurn bei der BSU. Martin Schatzmann Der Solaris Urbino 12 Electric wurde zuletzt grundsätzlich überarbeitet. Der Turm im Heck wurde eliminiert, der bisherige Traktionscontainer aufgelöst und die Komponenten an verschiedenen Stellen im Fahrzeug untergebracht. Am Beispiel der Servolenkung wollen wir den Ansatz des Werkstatttests etwas klarer darstellen. Normalerweise wird die Servolenkung bei E-Bussen vom 12-Volt-Netz betrieben, um den Bus bei einem Batterieausfall der Hochvoltbatterie noch einen Moment lenkbar zu erhalten. Beim Higer wird dafür jedoch ebenfalls aufs Hochvoltnetz zurückgegriffen. Zudem ist seine Hydraulikpumpe nicht wie üblich im Vorderachsbereich untergebracht, sondern weit weg im Heck. Kritik gibt es bei Iveco und Solaris beim LenkölAusgleichsbehälter, der nicht – was er eigentlich sollte – frei zugänglich ist, sondern sich hinter einer verschraubten Frontverkleidung (Iveco) respektive unter einem Innendeckel hinter dem Vorderrad (Solaris) versteckt. Sehr unterschiedlich haben alle Hersteller die Frage der Serviceklappen an Front, Seite und Heck gelöst. Vorne reichen die Lösungen von klappbar nach unten, oben und zur Seite bis zum kompletten Entfernen, wobei letzteres meist mit einem Zusatzaufwand für die Zwischenlagerung der Klappe verbunden ist. Im Heck hängen die Lösungen direkt von den Positionierungen der unterschiedlichen Komponenten ab. Dass dabei die Hochvolt-Verteilpunkte gut erreichbar im Heck zu finden sind, mag für die Serviceaufgaben begrüsst werden, dass sie dabei in einem besonders crashempfindlichen Bereich liegen, wird auch als problematisch angesehen. Die Elektromotoren sind übrigens wenig überraschend nur von unten zugänglich. Tester-Vielfalt Der Test wird übrigens nicht im kleinen Kreis durchgeführt, vielmehr dient er auch diversen Verkehrsbetrieben und Technologiezulieferern als interessante Vergleichsmöglichkeit. Inklusive der wirklich ganz kleinen Anzahl Busjournalisten nehmen rund 110 Personen am Test teil. Diese Anzahl ist auch nötig, um in den drei Tagen alle Aspekte erfassen zu können. Das heisst aber auch, dass nicht alle Beurteilungen immer ganz eindeutig ausfallen und damit zeigen, wie sich etliche Punkte durchaus subjektiv unterschiedlich bewerten

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