26 VERKEHR UND INFRASTRUKTUR Mit dem neuen eActros 600 (Reichweite gut 500 km) weitet Daimler Truck den Elektro-Betrieb der sogenannten Inbound-Logistik von regionalen Routen auf die Fernrouten zwischen seinen Werken aus. Renault Trucks liefert die Achsen aus der Fertigung in Lyon per E-Truck ans Lkw-Band in Bourg-en-Bresse. Die Hersteller von Personenwagen und Nutzfahrzeugen haben sich in Europa klar dem übergeordneten Klimaziel des Pariser Abkommens verschrieben, bei dem die Klimaneutralität bis 2050 erreicht werden soll. Um dieses Ziel erreichen zu können, verfolgen praktisch alle Konzerne eine Klimastrategie, um auf diesem Weg bis 2050 über die gesamte Wertschöpfungskette Netto-Null zu erreichen. Dabei sorgt die Automobilindustrie mit E-Fahrzeugen dafür, dass andere Industrien und Private künftig ihre Mobilität klimaneutral gestalten können. Zugleich sind grosse Investitionen nötig, um die Emissionen der eigenen Standorte (Verwaltung, Fabrikation) Die Automobilindustrie ist nicht nur dafür besorgt, dass unser Mobilitätsfussabdruck emissionsfrei wird, sondern muss auch den eigenen CO2-Fussabdruck reduzieren. Dafür nutzt sie u. a. zunehmend elektrifizierte Fahrzeuge in der Werkslogistik. Beispiele. Werkslogistik elektrisiert TEXT: MARTIN SCHATZMANN FOTOS: OEM und der Zulieferer (Komponenten, Logistik) im Gleichschritt ans Netto-Null-Ziel heranzuführen. Vier Beispiele. Daimler Truck Die Teile und Komponenten für die Werke von Daimler Truck in Wörth, Gaggenau, Kassel und Mannheim werden im regionalen Verkehr seit vorletztem Jahr teilweise schon mit E-Trucks (eActros 300 & 400) angeliefert. Nun zündet Daimler Truck in seinem Projekt der elektrifizierten Inbound-Logistik die zweite Stufe und integriert dank der höheren Reichweite des neuen eActros 600 auch die Fernstrecken der Zulieferung. Künftig werden 14 Logistikunternehmen, welche bereits heute Teile und Komponenten an DaimlerWerke liefern, vermehrt diese Aufgaben mit dem eActros 600 wahrnehmen. Durch diesen Ausbau werden künftig pro Jahr in der Inbound-Logistik bis zu 2,5 Mio. Kilometer CO2-frei zurückgelegt. Neben dem Ausbau der werkseigenen Ladeinfrastruktur ist Daimler Truck mit weiteren Partnern aus der Lkw-Industrie auch am Ausbau der öffentlichen und halböffentlichen Ladeinfrastruktur beteiligt (Stichwort Milence). Diese wird gezielt Lastwagen- tauglich ausgelegt, damit beim Laden genügend Manövrierraum und Leistung am Stecker vorhanden sind. Das öffentliche Netz soll europaweit rund 1700 Ladepunkte, das halböffentliche, bei dem die Lader vor allem auf Betriebshöfen liegen, bis zu 3000 Ladepunkte aufweisen. Nissan Der japanische Autohersteller betreibt schon lange ein eigenes Werk im nordenglischen Sunderland, wo aktuell die Modelle Juke, Qashqai und Leaf vom Band rollen. Als erster Produktionsstandort der Autoindustrie in Grossbritannien hat Nissan vor wenigen Wochen einen Ladepark in Betrieb genommen, welcher es seinen Transporteuren ermöglicht, mit Elektro-Lastwagen ihre Teile und Komponenten anzuliefern oder fertig produzierte Wagen auszuliefern. Die Anlage verfügt über sieben Ladesäulen, an welchen bis zu zehn Lastwagen gleichzeitig geladen werden können. Auf diese Weise können täglich bis zu 25 Lkw mit bis zu 360 kW Ladeleistung ihre Batterien aufladen. Dabei sind die Entfernungen nicht nur auf den nahen Hafen von Newcastle beschränkt, wo die E-Trucks die fertigen Autos zum Verschiffen hin liefern. Vielmehr werden Teile und Komponenten aus rund 260 km entfernten Standorten nach Sunderland gebracht. Mit der neuen Ladeinfrastruktur ermöglicht
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