Abschiede und Anfänge – Delegiertenversammlung Zuchwil (SO)

Verband Ausgabe-05-2026

Der Verwaltungsrat (v. l.): Christian Gilgen (neu), Franz Inauen, Marcel Perrenoud (Vizepräsident), Michaël Laubscher, Markus Odermatt (Präsident).

Der Verband Les Routiers Suisses hat mit Christian Gilgen ein neues Mitglied im Verwaltungsrat. Er wurde von der Delegiertenversammlung am 25. April gewählt. Sie hat auch einer moderaten Erhöhung des Mitgliederbeitrags zugestimmt.

Es war eine denkwürdige Delegiertenversammlung des Verbands Les Routiers Suisses am 25. April 2026 in der Kantine der Firma Scintilla im solothurnischen Zuchwil. Schliesslich war es erst zehn Tage her, seit Generalsekretär David Piras nach kurzer schwerer Krankheit verstorben war. Markus Odermatt, Präsident des Verwaltungsrats, begann die Versammlung deshalb mit ehrenden Worten für David Piras, der in den 26 Jahren seines Wirkens als Generalsekretär Hochs und Tiefs erlebt und es mit starkem Willen geschafft habe, den Verband aus der Finanzmisere zu bringen und erfolgreich zu entwickeln. Die Versammlung entschied einstimmig, David Piras posthum zum Ehrenmitglied von Les Routiers Suisses zu ernennen. Es folgte eine Gedenkminute.

Sorge um Anzahl Mitglieder

Die Versammlung genehmigte das Protokoll der Delegiertenversammlung von 2024 sowie die aktuelle Traktandenliste. Markus Odermatt wies auf den starken Mitgliederschwund hin. Starke Jahrgänge werden pensioniert und es ist schwierig, die aus dem Ausland stammende Mehrheit der Chauffeure zu gewinnen. «Befragungen haben ergeben, dass diese tendenziell lieber unter sich bleiben», führte Odermatt aus. Einige Sektionen hätten aber trotzdem Zuwachs bei den Mitgliedern. Betreffend der finanziellen Situation des Verbands sagte Odermatt: «Sie ist zwar momentan nicht so gut, aber es besteht keine Weltuntergangsstimmung.» Sehr gut sei dafür der Zusammenhalt in der Routiers-Familie.

Auch Generalsekretärin Ruth Piras ging auf die Mitgliederzahl ein. Sie ist derzeit auf der Höhe von 2018. «Starke Jahrgänge gehen raus, wir brauchen die Jungen», sagte sie. Und: Der Verband habe auf die Tatsache reagiert, dass rund drei Viertel der Chauffeure aus dem Ausland stammen, aber fast nur Schweizer als Neumitglieder gewonnen werden können. Les Routiers Suisses hat deshalb eine Werbung in 13 Sprachen lanciert. «Wir brauchen diese Leute», hielt Ruth Piras fest.

Der Bereich Weiterbildung entwickelt sich jeweils zyklisch, weil die Gültigkeit des Fähigkeitsausweises fünf Jahre beträgt und durch den Besuch von CZV-Kursen verlängert wird. Meist werden zuerst Firmenkurse gebucht, dann nehmen die anderen Kurse wieder zu. Bezüglich der CZV-Prüfungen bemerkte Ruth Piras, dass die Nachfrage in der Kategorie D niedrig sei und es deshalb schweizweit nur drei Standorte dafür gebe. Bei der Kategorie C sind es sieben Standorte. Laut Ruth Piras ist die Durchführung der CZV-Prüfungen ein zuverlässiger Auftrag und ein Qualitätsnachweis, wobei Les Routiers Suisses sowie die ASTAG immer präsent sind. Zwar ist es im Rahmen der CZV-Prüfungen nicht erlaubt, direkt Werbung zu machen. Aber: «Die Chauffeure sehen uns, sie nehmen uns wahr.»

Der Rechtsschutz steht sehr gut da, er hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Eine wichtige Dienstleistung des Verbands ist nach wie vor TachiFox. Damit können Chauffeure die Daten der Fahrerkarte selbst auslesen. Das Magazin Routiers als Infoplattform ist ebenfalls ausgebaut worden – mit wieder mehr Printausgaben sowie einem neuen Internetauftritt, der eng mit jenem des Verbands verknüpft ist.

Kleiner Verlust, keine Schulden

Die Rechnung 2025 des Verbands weist einen kleinen Verlust von 48 000 Franken aus. Man habe nicht nur fast 100 000 Franken weniger Mitgliederbeiträge eingenommen, auch seien wichtige Investitionen getätigt worden, erklärte Marina Gjorgjievski, Finanzverantwortliche bei Les Routiers Suisses. Eine neue App, die Einführung von Fairgate und vieles mehr habe zu Verbesserungen geführt. Und: Man habe gemäss Finanzplan Hypotheken zurückgezahlt. Will heissen: Der Verband ist schuldenfrei.

Damit das so bleibt und keine Reserven angezapft werden müssen, beantragte der Verwaltungsrat eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge der Kategorie M um 15 Franken auf 155 Franken und der Kategorie S um 10 auf 65 Franken. «Auch dieser Jahresbeitrag, der einen Rechtsschutz beinhaltet, ist noch günstig», sagte Marina Gjorgjievski. «Ein Anwalt kostet in einer Stunde schon mehr.» Markus Odermatt sagte dazu: «Wir haben Auslagen, nichts ist billiger geworden. Wir wollen keine Reserven aufbrauchen und vor allem keine Leistungen kürzen, das wäre falsch.»

Zwar gab es einige kritische Stimmen, die unter anderem monierten, dass die letzte Erhöhung erst vier Jahre her sei und höhere Beiträge dazu führten, dass es noch schwieriger werde, Neumitglieder zu finden. Die Delegiertenversammlung stimmte der Erhöhung aber mit 56 Ja- zu 40 Nein-Stimmen zu.

Zuvor wurde von der Geschäftsprüfungskommission (GPK) der Rechnungsführung inklusive jener der CZV-Prüfungsorganisation ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt, die Delegiertenversammlung erteilte allen Organen die Decharge.

Keine neue Filiale

Zu wenig Anklang bei den Delegierten fand indes die Idee einer neuen Routiers-Filiale in der Ostschweiz. Mit 52 Nein- zu 48 Ja-Stimmen bei neun Enthaltungen wurde der Auftrag, dieses Projekt zu verfolgen, abgelehnt. Es sah vor, bei Münchwilen (TG) einen weiteren Standort zu realisieren.

Die Wahlen

Im Verwaltungsrat ist Ruedi Pulfer zurückgetreten. Seine Nachfolge tritt Christian Gilgen von der Sektion Biel-Seeland an, der mit dem Stimmenmaximum gewählt worden ist. Aus der GPK ist Denis Vuilleumier zurückgetreten. Er wird durch den Walliser Mauro Monteleone ersetzt, der sich in der Wahl gegen Pascal Bovet durchsetzen konnte. Markus Odermatt wurde schliesslich für weitere vier Jahre als Präsident des Verwaltungsrats gewählt.

Ruedi Pulfer, der nach 40 Jahren Verbandstätigkeit für Les Routiers Suisses abtritt, wurde ebenso wie Christian Kündig zum Ehrenmitglied ernannt. Kündig war ebenfalls während Jahrzehnten für die Sektion und den Verband tätig, unter anderem als CZV-Kursleiter. Beide wurden würdig geehrt und mit einem Geschenk verabschiedet.

Als letzte Amtshandlung hatte Ruedi Pulfer die Buchhaltung angewiesen, den Apéro auf seine Kosten zu organisieren. Dieser und das gemeinsame Mittagessen bildeten den Schluss einer bewegenden Delegiertenversammlung.

Text und Fotos: Daniel von Känel