Der Güterverkehr durch die Schweizer Alpen hat im ersten Halbjahr 2026 von der positiven Wirtschaftsentwicklung profitiert. Sowohl die Bahn als auch die Strasse transportierten mehr Güter als im Vorjahreszeitraum. Aber: Die Entwicklung fällt unterschiedlich aus. Während nämlich der Strassentransport deutlich zulegte, wuchs der Schienengüterverkehr lediglich um 3,1 Prozent. Das geht aus den aktuellen Semesterberichten des Bundesamts für Verkehr (BAV) hervor. Der Anteil der Bahn am gesamten alpenquerenden Güterverkehr sank im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 0,9 Prozentpunkte auf 68 Prozent. Dafür stieg im ersten Halbjahr 2026 die Zahl der Lastwagenfahrten durch die Schweizer Alpen um rund 7 Prozent auf 511 000. Laut dem BAV ist davon auszugehen, dass die Zahl der alpenquerenden Lastwagenfahrten Ende 2026 erstmals seit längerer Zeit wieder die Marke von einer Million überschreiten könnte. Das Einhalten der Obergrenze von höchstens 650 000 pro Jahr, die vom Stimmvolk mit der Annahme der Alpeninitiative gesetzt wurde, rückt weiter in die Ferne.
Als einen wichtigen Grund für die Schwierigkeiten des Schienengüterverkehrs nennt das BAV die zahlreichen Baustellen auf der Nord-Süd-Achse, besonders in Deutschland. Sie beeinträchtigen den internationalen Güterverkehr auf der Schiene und erschweren den Transport durch die Alpen. Eine Entspannung der Situation zeichnet sich laut BAV erst ab etwa 2030 ab.
Der Einzelwagenladungsverkehr hat es ebenfalls schwer: Im ersten Halbjahr 2026 ging die Zahl der beladenen Wagen im Vergleich zum Vorjahressemester um 8 Prozent zurück. Die Kosten pro beladenem Wagen stabilisierten sich zwar, doch die wirtschaftliche Situation bleibt angespannt.
Text: Daniel von Känel