Dauerzustand Stau – Verkehrsfluss auf Autobahnen

68 040 Staustunden: Das Schweizer Nationalstrassennetz stiess auch im Jahr 2025 immer mehr an seine Grenzen. Besonders auffällig ist, dass der Verkehr längst nicht mehr nur zu den klassischen Stosszeiten stockt.

Die Schweizer Autobahnen füllen sich weiter. Im vergangenen Jahr registrierte das Bundesamt für Strassen (ASTRA) auf dem Nationalstrassennetz insgesamt 68 040 Staustunden – rund 20 Prozent mehr als 2024. Die Schweizer Verkehrsinfrastruktur erreicht zunehmend ihre Kapazitätsgrenzen. Dabei ist die Bedeutung des Nationalstrassennetzes enorm. Es macht lediglich rund drei Prozent des gesamten Schweizer Strassennetzes aus, bewältigt aber knapp 45 Prozent aller gefahrenen Fahrzeugkilometer. 2025 kamen dort rund 30 Milliarden Fahrzeugkilometer zusammen. Allein die Personenwagen legten etwa 25 Milliarden Kilometer zurück – 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Den ganzen Tag viel Verkehr

Besonders auffällig ist, dass sich der Stau zunehmend vom klassischen Morgen- und Abendverkehr löst. Laut ASTRA verteilt sich der Verkehr vor allem im Mittelland stärker über den gesamten Tag. Auf wichtigen Strecken ist das Netz damit vielerorts beinahe permanent stark belastet. Die Folge: Es braucht nicht mehr viel, damit der Verkehr kollabiert. Eine Panne, ein Unfall oder ein anderes kleines Ereignis kann auf einer ohnehin ausgelasteten Strecke schnell einen grösseren Rückstau auslösen. Für Chauffeusen und Chauffeure werden die Fahrzeiten damit immer schwerer vorhersehbar.

Stagnation am Gotthard

Die meistbelasteten Korridore liegen dort, wo besonders viele Menschen täglich unterwegs sind: auf der A1 zwischen Genf und St. Gallen, der A2 zwischen Basel und Chiasso sowie der A3 zwischen Basel und Sargans. Beim Gotthardtunnel blieb die Zahl der Staustunden dagegen ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres.

Besonders problematisch ist eine Nebenwirkung der überlasteten Autobahnen: Wer auf der Nationalstrasse nicht mehr vorankommt, sucht sich Alternativen. Das ASTRA stellt fest, dass auf zahlreichen Kantonsstrassen das Verkehrsaufkommen stärker wächst als auf den parallel verlaufenden Autobahnen. Das deutet darauf hin, dass Verkehrsteilnehmende zunehmend auf das untergeordnete Strassennetz ausweichen. Damit wird aus einem Autobahnproblem ein Problem für ganze Regionen. Was auf der A1 oder A2 als Stau beginnt, kann zusätzlichen Verkehr durch Gemeinden und Agglomerationen führen – dorthin, wo die Nationalstrassen eigentlich für Entlastung sorgen sollen.

Überlastung als Hauptursache

Interessant ist auch der Blick auf die Ursachen. Wer täglich im Stau steht, dürfte Baustellen schnell als Hauptverdächtige ausmachen. Die Zahlen des ASTRA zeichnen jedoch ein anderes Bild. Rund 89 Prozent der Staus im Jahr 2025 gingen demnach auf Verkehrsüberlastung zurück. Weniger als vier Prozent wurden durch Baustellen verursacht. Der starke Anstieg der Staustunden ist deshalb vor allem ein Hinweis darauf, dass die vorhandene Infrastruktur an vielen Stellen schlicht nicht mehr genügend Reserven besitzt. Temporäre Massnahmen können zwar einen Unfall beseitigen oder eine Baustelle besser organisieren; sie lösen aber keinen strukturellen Kapazitätsengpass. Eine bessere Nutzung der vorhandenen Infrastruktur ist notwendig, das ASTRA setzt auch darauf. Um einen punktuellen Ausbau kommt man aber nicht herum, wenn Stau nicht mehr Dauerzustand sein soll.

Text: Daniel von Känel