Am letzten Samstag im August, das weiss der Oldtimerfan, machen sich aus allen Landesteilen Lastwagen der Marken Saurer und Berna auf den Weg zum Campus Sursee, um dort in Reih und Glied zu glänzen. Dieses Jahr war es bereits die 40. Ausgabe des Saurer-Treffens. Das OK wünschte sich deshalb möglichst viele «Exponate» aus allen Produktionsbereichen der beiden Schweizer Lastwagenmarken.
Dank vieler Anmeldungen ist dies gelungen. So konnten die Besucherinnen und Besucher des Treffens nicht nur den ersten, vollständig in Arbon gebauten Lastwagen, den Ritzelwagen, bestaunen; auch jener mit der höchsten Chassisnummer, der letzte aus der eigenständigen Nutzfahrzeugproduktion von Saurer, war dort. Letzterer wurde Ende 1983 ausgeliefert. Bis 1986 wurden noch Saurer für die Armee produziert, allerdings von der eigens dafür gegründeten Nutzfahrzeuggesellschaft Arbon & Wetzikon (NAW) AG. Auch der letzte Armeesaurer gesellte sich in Sursee zum Ritzelwagen und dem D330 BF 8×4.
Lastwagen als zweites Standbein
Die Firma Saurer, das ist dem Festführer zum 40. Saurer-Treffen Sursee zu entnehmen, wurde Jahrzehnte vor dem Beginn der Lastwagenproduktion gegründet. Dies geschah nämlich schon 1853 durch Franz Saurer in St. Georgen bei St. Gallen. 1862 zog die Firma nach Arbon, wo sie eine mechanische Werkstätte und eine Eisengiesserei betrieb. 1869 begann die Produktion von Handstickmaschinen und einige Jahre später von Schiffchenstickmaschinen. Nach zwei Krisen in der Stickerei wurden die Weichen für die Lastwagenproduktion gestellt. Adolph Saurer, Sohn des Firmengründers, war überzeugt, dass ein wirtschaftliches Überleben nur mit weiteren Standbeinen möglich war. So begann 1888 in Arbon die Produktion von Verbrennungsmotoren oder genauer: Petrolmotoren nach dem Otto-Prinzip. Kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts nahm Saurer zudem die Fabrikation von Webmaschinen auf.
Hippolyt Saurer, Sohn von Adolph Saurer, war es schliesslich, der die Fabrikation von «motorisch angetriebenen Strassenfahrzeugen» vorantrieb; der anfänglichen Skepsis seines Vaters zum Trotz. So begannen 1902 die Konstruktionsarbeiten für einen schweren 5-Tonnen-Versuchslastwagen mit sogenanntem Ritzelantrieb und weitere Fahrzeuge. Für den Ritzelwagen ist das Auslieferungsdatum 10. Mai 1904 registriert.
Es machte den Besucherinnen und Besuchern des Saurer-Treffens in Sursee sichtlich Eindruck, den Ritzelwagen zu sehen. Was nach dessen Produktion folgte, war in Sursee ebenfalls sehr gut dokumentiert. Unzählige Omnisbusse, Lastwagen mit verschiedenen Chassis- und Motorgenerationen, als Normal- oder Frontlenker waren auf dem Campus ausgestellt. Wie jedes Jahr waren auch viele Fahrzeuge, die Saurer für die Armee produzieren durfte, zu sehen.
Das Sortiment 82 war das letzte Verkaufsprogramm von Saurer. Die Königsklasse dieses Sortiments bildeten die Frontlenker D290 respektive D330 BF 4×4. Der Saurer-Club Schweiz schreibt im Festführer dazu: «Mit diesen Typen war ein Fahrzeug entstanden, in dem sämtliche Belange und Erfahrungen, insbesondere aus dem Exportmarkt, berücksichtigt wurden. Die Saurer-Ingenieure hatten ein technisch ausgereiftes Fahrzeug in Perfektion geschaffen. Leider war dies die letzte Fahrzeugentwicklung aus Arbon, kurze Zeit später wurde beschlossen, die eigenständige Nutzfahrzeugproduktion einzustellen.» Noch lange nicht eingestellt ist die Faszination für diese Schweizer Lastwagen. Dies zeigte auch das Jubiläumstreffen in Sursee wieder eindrücklich.
Text und Fotos: Daniel von Känel





