Die Lastwagenproduktion bei MAN ist immer effizienter geworden. Mittlerweile ist man am Serienband bei einer Taktzeit von unter fünf Minuten angelangt. Das ist ein hervorragender Wert für Serienfahrzeuge, jedoch passen hochkomplexe Lastwagen wie jene für die Schwerlast nicht in diesen schnellen Raster. Das war ein Grund, warum bei MAN für einige Zeit kein entsprechender Lkw mehr zu haben war; trotz langer Tradition in dieser Königsklasse des Schwertransports.
Serien- und Nachband
Doch eine «Firma in der Firma», MAN Individual nämlich, hat nun dafür gesorgt, dass wieder ein Löwe in der Königsklasse brüllt. Entwicklung, Produktion und Vertrieb bleiben so in der Firma, es ist also ein Werksprodukt. MAN Individual ist innerhalb von MAN für Kleinserien und kundenspezifische Ansprüche zuständig – und eben den neuen TGX 41.640 8×4/4. Ein Teil der Produktion findet auf dem Serienband in München statt, der Rest auf dem Nachband, und im MAN Truck Modification Center in Wittlich wird der Lkw mit Schwerlastkupplungen, verstärkter Kühlung sowie Diesel- und Hydrauliktank ausgestattet. Nicht durchgehend im schnellen Grossserientakt, aber für diese komplexen Konstruktionen immer noch sehr effizient.
Spezialgetriebe für Extremlasten
Die Freude war gross bei MAN in München, als der neue Lkw vorgestellt wurde. Eingeladen waren Schwerlasttransporteure aus diversen Ländern sowie Fachjournalisten. Friedrich Baumann, Vorstand Sales & Customer Solutions bei MAN Truck & Bus, enthüllte das neue Fahrzeug. Dazu sagte er: «Mit unserer 250-Tonnen-Zugmaschine kehren wir in die Königsdisziplin, den Schwerlasttransport, zurück. Dank der Expertise von MAN Individual bieten wir unseren Kunden ein hochspezialisiertes Fahrzeug, das maximale Leistung, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit in einem Paket vereint. Damit setzen wir erneut ein starkes Zeichen, das Geschäft unserer Kunden zu vereinfachen.»
Herzstück des neuen Schwerlastmodells ist der MAN D3876 Reihensechszylindermotor mit 640 PS und 3000 Nm Drehmoment, verfügbar im breiten Bereich von 900 bis 1380 min-¹. Das ist ideal für hohe Lasten bei niedrigen Geschwindigkeiten. Die in das automatisierte MAN TipMatic 12.30 OD-Getriebe integrierte Wandlerschaltkupplung (WSK) ermöglicht verschleissarmes, kraftvolles Anfahren mit einer bis zu 1,59-fachen Drehmomenterhöhung und feinfühliges Rangieren. Das Getriebe ist eine Entwicklung von ZF. Zusätzlich sorgt der Retarder 40 für hohe Dauerbremsleistung und thermische Stabilität. Hinzu kommen spezielle TipMatic-Programme, die den Chauffeur im Einsatz unterstützen: das Schwertransport-Programm für bis 250 Tonnen oder der Efficiency-Modus für Lasten bis 70 Tonnen bei zugleich sparsamem Kraftstoffverbrauch.
Zusatztanks hinter Fahrerhaus
Am deutlichsten zeigt sich hinter dem Fahrerhaus, warum das normale Serienband bei solchen Fahrzeugen nicht für den ganzen Herstellungsprozess ausreicht. Dort befinden sich nämlich die zentralen Schwerlastkomponenten des TGX, gebündelt in einem Schwerlastturm. Er enthält vier Druckbehälter für 160 Liter zusätzlichen Luftvorrat, einen 960-Liter-Dieseltank sowie den 290-Liter-Tank der zweistufigen Schwerlasthydraulik. Diese liefert Drücke bis 300 bar, arbeitet mit einem Load-Sensing-System und stellt unabhängig von der Last 20 oder 40 l/min Ölmenge bereit, je nach Bedarf der Achslenksysteme. Ebenfalls in den Schwerlastturm integriert ist ein Schwertransportkühler, der auch bei niedrigen Geschwindigkeiten und hoher Motorlast die Motortemperatur stabil hält.
Ausstattungspaket erhältlich
Optional ist der Schwerlast-TGX mit dem MAN-Individual-Lion-S-Ausstattungspaket erhältlich. Dies umfasst laut MAN exklusive Design-Elemente wie Carbon-Applikationen, schwarze Aerodomes, rote Akzente sowie hochwertige Innenraumdetails wie Alcantara-Sitzbezüge, Ziernähte und rote Sicherheitsgurte. Ebenfalls optional zur Verfügung stehen ein 24-Zoll-Fernseher, eine elektrisch verstellbare Fernsehliege und eine Ambientebeleuchtung. «Elemente, die den Fahreralltag insbesondere bei langen Einsätzen deutlich angenehmer machen», sagt MAN. Solche Einsätze können unterschiedlich ausfallen. Denn: «Der 640 PS starke Vierachser bewegt problemlos Hunderte Tonnen schwere Grossturbinen für Windkraftanlagen, Hochspannungstransformatoren oder ganze U-Boote», ist der Hersteller überzeugt.
Text und Fotos: Daniel von Känel




