Keinen Stau, fliessenden Verkehr: Das wünschen sich alle, die täglich auf den Strassen unterwegs sind. Die Realität sieht anders aus. Die Verkehrsüberlastung und damit auch die Staustunden nehmen jedes Jahr zu. 2024 wurden auf dem gesamten schweizerischen Nationalstrassennetz rund 55 600 Staustunden registriert. Dies sind 14 Prozent mehr als 2023. Ohne sie würde auf den Schweizer Autobahnen wohl noch häufiger Stillstand herrschen: die Verkehrsoperatoren der Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) des Bundesamts für Strassen (ASTRA) in Emmenbrücke. Sie beobachten jeden Tag rund um die Uhr die aktuelle Verkehrslage auf den Schweizer Nationalstrassen. Verkehrsstörungen früh zu erkennen, die Auswirkungen einzuschätzen und rasch einzugreifen, gehört zu ihren Kernaufgaben. Ziel ist es, den Verkehrsfluss möglichst sicher, effizient und störungsfrei aufrechtzuerhalten. Dazu gehören Temporeduktionen, Umleitungen oder Spursperrungen.
Tempo senken für flüssigeren Verkehr
Automatisierte Systeme unterstützen die Verkehrsoperatoren bei ihrer täglichen Arbeit: Dank Sensoren wird beispielsweise die Höchstgeschwindigkeit je nach Verkehrsaufkommen automatisch angepasst, kann bei Bedarf aber übersteuert werden. Die Geschwindigkeit wird dabei schrittweise von 120 auf 100 oder 80 km/h gesenkt. Für viele Verkehrsteilnehmende wirken tiefere Tempolimiten zunächst wie ein zusätzlicher Bremsklotz. Laut ASTRA haben sich diese Massnahmen jedoch bewährt: Sinkt die Geschwindigkeit frühzeitig, soll verhindert werden, dass der Verkehr komplett zusammenbricht.
Trotz tieferer Tempolimiten soll der Verkehr flüssiger und sicherer bleiben. Über Umleitungen und deren Umsetzung entscheiden die Verkehrsoperatoren gemeinsam mit den Partnerorganisationen wie Kantonspolizeien. Entscheidend dabei sind Erfahrung, örtliche Kenntnisse und der enge Austausch mit den Partnern.
Das Schwerverkehrsmanagement
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der VMZ ist das Schwerverkehrsmanagement. Falls nötig, halten die Verkehrsoperatoren den Schwerverkehr entlang der Nationalstrassen in Warteräumen an und leiten ihn von dort dosiert weiter. Ziel ist es, die Zufahrt zu den Zollanlagen sicherzustellen und die Abfertigung auf den Zollarealen möglichst effizient zu gewährleisten. Um eine möglichst störungsfreie, effiziente und sichere Fahrt des Schwerverkehrs auf den Nationalstrassen sicherzustellen, steht die VMZ regelmässig in Austausch mit der Transportbranche, namentlich der ASTAG.
Was passiert bei schweren Unfällen?
Bei schweren Unfällen übernehmen die Kantonspolizeien die Einsatzleitung. Die VMZ unterstützt sie bei Entscheidungen und setzt verkehrliche Massnahmen wie Umleitungen um. Wie rasch sich eine Situation nach einem Ereignis wieder stabilisiert, hängt stark vom jeweiligen Ereignis, der allgemeinen Verkehrslage sowie der Örtlichkeit ab. Besonders in Erinnerung geblieben ist den Mitarbeitenden die Unwetterkatastrophe im Misox im Juni 2024. Damals wurde die A13 stark beschädigt.
Grösster Staufaktor: der Verkehr selbst
Die häufigste Ursache für Stau ist nicht ein Unfall oder eine Baustelle, sondern schlicht Überlastung. 88 Prozent aller Staustunden im Jahr 2024 gingen laut ASTRA auf zu viele Fahrzeuge zurück. Nur rund 6 Prozent standen im Zusammenhang mit Unfällen. Das ASTRA stellt Informationen zu Verkehrsbehinderungen, Reisezeiten und Umleitungen zur Verfügung. Ob Empfehlungen befolgt werden, entscheiden aber letztlich die Verkehrsteilnehmenden selbst.
Blick nach vorne
Das Verkehrsmanagement soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. Geplant sind zusätzliche Anlagen zur Geschwindigkeitsharmonisierung und Gefahrenwarnung auf weiteren Autobahnabschnitten. Zudem sollen die Systeme schweizweit besser koordiniert werden – auch über Kantonsgrenzen hinweg. Ziel ist es, Verkehrsströme effizienter aufeinander abzustimmen und Staus möglichst zu vermeiden. Die aktuellen Stauzahlen deuten darauf hin, dass sich Staus wohl auch in Zukunft nicht verhindern lassen. Dass der Verkehr aber möglichst lange in Bewegung bleibt, dafür sorgen die Verkehrsoperatoren der VMZ.
Text: Fabienne Reinhard
Fotos: ASTRA
Blick hinter die Kulissen
Wie sieht eine Schicht in der Verkehrsmanagementzentrale aus? Das Bundesamt für Strassen gewährt auf seinem Blog «Unterwegs» einen Einblick in die Arbeit der Verkehrsoperatoren: blog.astra.admin.ch/verkehrsmanagement-einsatz-hinter-den-kulissen
Fabienne Reinhard

