Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Editorial Ausgabe-08-2026

Die Politik hat hohe Ansprüche, wenn es um die Dekarbonisierung des Strassentransports geht. Sie droht mit Strafzahlungen für säumige Hersteller und schraubt die Anforderungen ständig hoch. Die Nutzfahrzeugindustrie liefert, damit die wichtige, systemrelevante Transportbranche liefern kann. An der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover wurde einmal mehr klar, dass es nicht an den Nutzfahrzeugherstellern liegt, dass es zwischen den Ansprüchen der Politik und der Wirklichkeit noch eine Lücke gibt. Alltagstaugliche batterieelektrische Lastwagen gibt es längst in allen Kategorien, sie werden bezüglich Reichweite und Flexibilität immer besser. Auch bei den Dieselmotoren schaffen es die Hersteller, noch effizientere Aggregate zu bauen, die zudem auch mit alternativen Treibstoffen betrieben werden können. Die Trailer werden leichter und geometrisch für E-Zugmaschinen optimiert. Und die Politik? Zumindest haben Förderinstrumente und vor allem die vielen Beteuerungen, nachhaltig sein zu wollen, nicht dazu geführt, dass Transporteure und Chauffeure beispielsweise auf eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur setzen können. Da die Technologien vorhanden sind, ist es wohl eher die mangelnde Infrastruktur, welche die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen lässt. Die Politik, ob in der Schweiz oder in Europa, ist gefordert, ihrem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Dies schafft sie eher mit Anstrengungen für eine zukunftsfähige Infrastruktur als mit noch strengeren Vorschriften für jene, die mit Innovationskraft ihren Beitrag leisten.

Daniel von Känel, Chefredaktor