17 Nr. 2 | 2026 FAHRZEUGE UND TECHNIK Andrew Frankl, Herausgeber von «Truck Magazine», war auch treibende Kraft hinter der IToY-Gründung und massgeblich in den frühen Jahren beteiligt. Hier präsentiert er Prinz Michael von Kent (Mitte) auf der Birmingham Motor Show den Truck of the Year. Andrew Frankl Es gibt nur wenige Menschen, die mehr über die Entstehungsgeschichte des International Truck of the Year IToY wissen als der Gründer und Herausgeber des heute nicht mehr herausgegebenen, britischen «Truck Magazine» Andrew Frankl. Als Präsident von IToY arbeitete er in den Entstehungsjahren eng mit IToY-Gründer Pat Kennett zusammen und formte mit, was zur einflussreichsten Auszeichnung in der Nutzfahrzeugindustrie werden sollte. Frankl gibt uns einen Einblick in die frühen Jahre, die geprägt waren von Enthusiasmus, Improvisationsgeist und gelegentlichen Krisen, welche sich aber einfach mit Charme, etwas Leim und einem entliehenen Champagnerkühler lösen liessen. Routiers: Erinnerst du dich noch, wie es zur Idee für den International Truck of the Year gekommen ist? Andrew Frankl: «Das geschah alles ganz unaufgeregt, an einem späten Abend, an dem 2026 feiert Truck of the Year IToY das 50-Jahr-Jubiläum, «Truck Magazine» verlieh 1976 die erste Auszeichnung. Magazin-Gründer Andrew Frankl gibt uns Einblick in die frühen Zeiten, unter anderem verrät er, wie der erste Gewinner erkoren worden war. TEXT: WILL SHIERS* FOTOS: ANDREW FRANKL *Will Shiers: Der Brite ist Redaktor beim englischen Magazin «Commercial Motor» und Mitglied der Jury International Truck of the Year IToY. Über Andrew Frankl Andrew Frankl lancierte das «Truck Magazine» in den 1970er-Jahren und half mit, eine der renommiertesten Publikationen über den Strassentransport zu etablieren. Frankl hat später sein Arbeitsfeld verändert und sich einem breiteren AutomobilJournalismus gewidmet. Daraus entwickelte sich eine lange Karriere als Journalist und Redaktor in Automagazinen, Tageszeitungen und Rundfunkanstalten in Grossbritannien und in den USA. Neben Fahrzeugtests und Motorsportartikeln publizierte Andrew Frankl ausführlich über die weltweite Automobilindustrie und konnte dabei auf jahrzehntelange Erfahrungen im Print-, Online- und Fernseh-Journalismus zurückgreifen. Will Shiers Der erste Gewinner war klar Interview mit Andrew Frankl Pat Kennett und ich am Brainstormen waren. Ich war seit 1968 Mitglied beim Car of the Year und meinte dann zu Pat: ‹Was hältst du denn von einem Truck of the Year?› Pat fand es eine gute Idee und meinte umgehend, dass er auch schon wüsste, welches der erste Gewinner sein sollte – der Seddon Atkinson 200. Pat kannte den Seddon-Chef Jim Redman gut, also riefen wir ihn an. Und der Rest ist Geschichte.» Du wurdest später Präsident des Truck of the Year. Woraus bestanden deine Aufgaben damals? Frankl: «Ich war vor allem dafür verantwortlich, dass alles rund um die Verleihung in geordneten Bahnen verlief. So sass ich am Dinner zur Preisverleihung im Januar 1984 neben dem Jury-Mitglied aus Deutschland, Helmut, und fragte ihn, ob alles bereit und ob die Trophäe da sei. Seine Antwort war nur: ‹Nein, da ist keine Trophäe. Es war Weihnachten.› Ich dachte bei mir: ‹Okay, das ist interessant.› Denn am nächsten Morgen erwarteten wir die Ankunft der schwedischen und der internationalen Presse sowie der Gewerkschaften, und irgendwie hätte ich dem Volvo-Präsidenten Sten Langenius erklären müssen, dass wir keine Trophäe überreichen könnten.» Wie bist du damit umgegangen? Frankl: «Ich habe in einem angrenzenden Speisesaal einen Champagner-Kühler entdeckt und ihn mit dem Versprechen mitgenommen, ihn im Laufe des nächsten Tages unversehrt zurückzubringen. Am nächsten Morgen habe ich jemanden gesucht, der mir einen Aufkleber mit der Aufschrift ‹1984 Truck of the Year – Volvo Intercooler› herstellen konnte. Den habe ich dann mit etwas Leim über den Hotelnamen geklebt. Den Kühleimer habe ich in ein Tuch gewickelt. Zu Sten sagte ich, dass dies nicht die echte Trophäe sei, sondern ein Ersatz. Das wisse aber niemand, weshalb er sie für die Fotos in die Höhe halten solle, mir im Anschluss aber sofort zurückgeben müsse. Er hatte keine grosse Wahl, denn es waren 100 bis 200 Menschen zugegen. Glücklicherweise kamen wir davon damit. Sten habe ich versprochen, dass die echte Trophäe bei der nächsten LkwShow bereit sein werde.» Dein «Truck Magazine» war bekannt für Erlkönige, für Scoops. Kommt dir ein besonderer Scoop in den Sinn? Frankl: «Wir wollten 1981 Bilder des neuen Ford Cargo haben. Also gingen der Fotograf und ich in den fünften Stock im Werk in Langley und begannen Bilder der Lastwagen zu schiessen, die aus den Hallen rollten. Eine Dame trat zu uns und meinte: ‹Oh hello love. You must be the new dustman. Du musst die neue Reinigungskraft sein›, und übergab mir einen vollen Abfallsack. Wir nahmen den Abfall mit, fuhren fort, Bilder zu schiessen, und erhielten auf diese Weise eine schöne Titelgeschichte. Später hatte ich die sehr angenehme Aufgabe, am Ford-Hauptsitz Bob Lutz zu erklären, dass der Ford Cargo den Truck of the Year 1982 gewonnen hatte.» ■
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