Ausgabe Nr. 4/2026

14 FAHRZEUGE UND TECHNIK Antriebstechnik und Komponenten waren schon immer von zentraler Bedeutung für Nutzfahrzeughersteller und sie bleiben es auch bei der neuen Antriebsform mit Elektromotoren. Iveco setzt in diesem Bereich auf die eigene Tochter FPT, welche mit der in Arbon am Bodensee angesiedelten FPTMotorenforschung auch sehr enge Bande in die Schweiz pflegt. Doch das Herz von FPT schlägt grundsätzlich in Turin, wo der Verwaltungssitz der Iveco Group liegt. FPT hat sich inzwischen voll auf die neuen Technologien eingelassen. Zum einen wurde vor etwas mehr als drei Jahren eine spezielle Produktionsstätte für E-Komponenten eingeweiht, die e-Powertrain-Fabrik. In dieser ans Fertigungsgelände von Iveco angrenzenden Produktion werden die heute in eDaily und S-eWay eingesetzten Antriebsachsen produziert. Dazu kommen die Traktionsbatterien sowohl der grosskalibrigen Elektro-Lastwagen und Elektro-Busse als auch die Batterien mit hoher Energiedichte für die leichten Nutzfahrzeuge. Das Spektrum der E-Antriebskomponenten reicht vom kompakten Zentralantrieb eCD 140 mit 140 kW Peakleistung für die Integration in ein konventionelles, leichtes Nutzfahrzeug bis hin zur HochleistungsDas Technik-Rückgrat bei Iveco stammt von FPT Die Batterieprüfstände (Bild) verlangen wegen der Brandgefahr bei Zellüberlastungen nach speziellen Vorkehrungen beim Brandschutz. Iveco eSuperjolly und eJolly stammen aus der Stellantis-Fabrikation. Parallel zu den Elektro-Achsen und -Motoren lassen sich auch Leistungselektronik und andere Komponenten prüfen. Der Iveco eMoovy wird von Hyundai produziert. eAchse eAX 840-R mit zwei integrierten Elektromotoren und 840 kW Peakleistung. E-Prüfkompetenz Waren früher die Entwicklungs- und Testeinrichtungen der Hersteller vor allem mit Motorenprüfständen und Prüfständen für konventionelle Antriebstechnik bestückt, bedingte die Elektromobilität ein grosses Umdenken und Ausweiten der Prüfeinrichtungen. Auch FPT hat in Turin in diese Richtung gedacht und die Prüfstände auf E-Achsen, E-Motoren und vor allem auch Traktionsbatterien erweitert. Letztere ermöglichen es, neue chemische Zusammensetzungen zu erproben oder aber dank spezieller Belastungsserien die Alterung zu simulieren. Dabei muss sichergestellt werden, dass ein Batteriebrand isoliert bleibt und sich weder Flammen noch giftige Gase aufs restliche Gebäude ausweiten könnten. Die Prüfstände für die E-Achsen und E-Motoren müssen mit den hohen Anfangsdrehmomenten dieser neuartigen Antriebslösungen zurechtkommen. Zugleich ermöglichen sie nun auch die Belastungsprüfung der Leistungselektronik und des Batteriemanagements in realbetriebsähnlicher Situation. Martin Schatzmann ersten, eher kurzen Erprobungskilometern gaben sich sowohl «Artic» wie «Rigid» sehr leistungsfähig, was bei 840 kW Peakleistung – was umgerechnet mehr als 1140 PS sind – nicht verwundert. Zugleich aber überzeugte die gut dosierbare und dadurch angenehme Leistungsentfaltung. Das Besondere ist jedoch die geringe Geräuschentwicklung in der Kabine, wie sich dies inzwischen als grosser Pluspunkt der Elektromobilität etabliert hat. Die Stille verlangte aber nach zusätzlichen konstruktiven Massnahmen, damit die bislang durch die Dauervibrationen des Dieselmotors übermalten Störgeräusche weiterhin nicht hörbar sind. Gate und diverse neue Leichte Ein Teil des eingangs erwähnten Ecosystems ist auch die spezielle Finanzierungslösung, um den Übergang in die neue Antriebstechnologie umfassend zu erleichtern. Im Joint Venture Gate, das Iveco zusammen mit De Lage Landen International DLL gegründet hat, wird eine Langzeit-Mietformel angeboten, die nach dem Pay-per-use-Prinzip funktioniert. Ergänzt durch die Unterstützung bei der Beschaffung von Ladeinfrastruktur und der nötigen Energie soll die Schwelle für den Wechsel auf elektrisch möglichst niedrig gehalten werden. Gate ist dabei nicht auf die schweren Fahrzeuge, wie dem S-eWay «Artic» oder «Rigid» beschränkt, sondern kann für die gesamte Palette der Iveco-Elektrofahrzeuge genutzt werden, wie auch die neuen E-Lieferwagen. Bei Letzteren arbeitet Iveco mit Hyundai und mit Stellantis zusammen. Aus der Hyundai-Kooperation entstammt der eMoovy, mit welchem Iveco eine Marktlücke abdecken kann. Der eMoovy ist einzig als elektrisches Chassis-Cab-Modell für die niedrige Gewichtsklasse im Angebot. Der eMoovy ist der erste leichte Elektro-Iveco, der die 800-VoltTechnologie nutzt und neben 76 kWh Batteriekapazität auch eine aussergewöhnliche Ladeleistung von 350 kW zulässt. Mit dem eJolly und dem eSuperjolly kommen zwei weitere Modellreihen dazu, die zwischen eMoovy und eDaily angesiedelt sind. Dabei handelt es sich um gebadgte Vans der mehrfach bewährten Stellantis-Lieferwagen, die beispielsweise als Fiat E-Scudo (Iveco eJolly) und als Fiat E-Ducato (Iveco eSuperjolly) auf dem Markt sind. ■

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