28 Die Schweizer Chauffeusen und Chauffeure erleben ihre Arbeit unterschiedlich. Es gibt Enthusiasten und Desillusionierte. Der Strassengüterverkehr in der Schweiz hat sich strukturell stark verändert. Während die Zahl der Transportunternehmen zwischen 2011 und 2021 um 17 Prozent zurückging, stieg die Beschäftigung gleichzeitig um 9 Prozent. Das deutet auf eine zunehmende Konzentration hin: Kleine Betriebe verschwinden, während grössere Unternehmen wachsen. Diese Entwicklung ist kein Zufall. Denn: Politische Massnahmen wie die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA), strengere Umweltauflagen und die Angleichung an europäische Vorschriften setzen die Branche unter Druck. Gleichzeitig sorgt eine gewisse Liberalisierung des Marktes, trotz Kabotageverbot, für mehr Wettbewerb – insbesondere durch ausländische Anbieter. Gewinner und Verlierer Die Studie zeigt dazu ein klares Bild: Grosse Transportunternehmen können die neuen Anforderungen besser bewältigen. Sie investieren in Digitalisierung, kombinierte Verkehrssysteme und ökologische Innovationen. Kleine und mittlere Betriebe hingegen kämpfen oft ums Überleben. Steigende Kosten, komplexe Vorschriften und teure Investitionen – etwa in umweltfreundliche Fahrzeuge – belasten sie laut dieser Studie überproportional. Ein besonders einschneidender Faktor ist die LSVA: Für manche Unternehmen macht sie bis zu 30 Prozent der Fixkosten aus. Während grosse Firmen diese Belastung teilweise an Kunden weitergeben können, fehlt kleineren Betrieben häufig diese Möglichkeit. Effizienz und Überwachung Mit der Modernisierung der Branche hält auch die Digitalisierung Einzug. Elektronische Tachografen, GPS-Systeme und komplexe Planungssoftware ermöglichen eine präzisere Steuerung von Transporten. Doch die technischen Fortschritte haben ihren Preis: Sie führen zu stärkerer Kontrolle und weniger Autonomie für die Chauffeusen Die Schweizer Transportbranche steht unter massivem Veränderungsdruck – und mit ihr die Menschen, die sie am Laufen halten. Eine aktuelle Studie der HEG – Hochschule für Wirtschaft Arc, Neuenburg, zeigt eindrücklich, wie tiefgreifend sich die Arbeitsbedingungen und die berufliche Identität von Chauffeuren in den letzten Jahren gewandelt haben. Freiheit und Druck Studie zur Lage der Chauffeure TEXT: DANIEL VON KÄNEL ZEICHNUNGEN: TRINCO und Chauffeure. Die Arbeit wird zunehmend standardisiert und überwacht – ein Wandel, der nicht von allen positiv bewertet wird. So zeigt die Untersuchung ein ambivalentes Bild der Arbeitsrealität. Viele Chauffeure schätzen weiterhin die Freiheit ihres Berufs
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