Ausgabe Nr. 4/2026

40 FAHRZEUGE UND TECHNIK Die Reifenindustrie wandelt sich: Jährlich steigt die Nachfrage nach Reifen ab 20 Zoll – eine Folge immer grösserer und schwererer Fahrzeuge. Gleichzeitig verändern sich auch die Inhaltsstoffe: Reifen werden zunehmend aus nachhaltigen und recycelten Materialien produziert. Diesen Trend bestätigt der Hersteller Michelin: Dessen Reifen bestehen heute im Schnitt bereits zu rund 31 Prozent aus nachwachsenden oder recycelten Rohstoffen. Dazu zählen Naturkautschuk, recycelte Kunststoffe sowie wiederverwerteter Stahl und Russ. Zunehmend ersetzen ebenfalls innovative natürliche Additive wie Sonnenblumenöl oder Limonen aus Orangenschalen fossile Bestandteile. Entscheidend ist laut Cyrille Roget, Direktor für Wissenschafts- und Innovationskommunikation bei Michelin, jedoch nicht die Innovation allein, sondern deren Heute werden Reifen zunehmend mit nachhaltigen oder recycelten Materialien hergestellt. Doch wie wirkt sich das auf die Entsorgung und Wiederverwertung in der Schweiz aus? Sind sie wirklich nachhaltig? Das Recycling von modernen Reifen TEXT: FABIENNE REINHARD FOTOS: ARCHIV Gesamtwirkung: Erneuerbare oder recycelte Materialien werden nur dann eingesetzt, wenn sie über den gesamten Lebenszyklus («Cradle to Grave») eine bessere Umweltbilanz aufweisen. Recyclingfähigkeit bleibt erhalten Trotz neuer Materialmischungen gibt Roget Entwarnung: «Reifen sind zu 100 Prozent recycelbar und werden es auch weiterhin bleiben.» Alternative Materialien hätten vergleichbare Eigenschaften wie die ersetzten Stoffe und beeinträchtigten die Wiederverwertbarkeit nicht. Auch aus Sicht des Reifen-Verbands der Schweiz RVS gibt es keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen klassischen Reifen und solchen mit höherem Anteil an nachhaltigen Materialien. Recycelte und biobasierte Bestandteile seien bereits seit Jahren Bestandteil von Standardreifen – wenn auch in geringeren Mengen. Komplexer wird es jedoch bei Zusatzfunktionen: Pannensichere «Seal»-Reifen mit integrierter Dichtmasse können Schredderanlagen verkleben und erschweren die stoffliche Verwertung. Sie werden daher häufig thermisch genutzt. Ähnlich bei «Silent»-Reifen: Während ältere Bauarten problematisch sind, ermöglichen neuere Lösungen mit eingeklebtem Absorberschaum zunehmend eine konventionelle Entsorgung. Thermische Verwertung dominiert In der Schweiz ist die thermische Verwertung nach wie vor der wichtigste Entsorgungsweg. Altreifen werden insbesondere in Zementwerken als Ersatzbrennstoff eingesetzt. «Reifen vollständig im Kreislauf zu führen, ist im Moment technisch nicht möglich und wirtschaftlich auch nicht umsetzbar», entOhne Reifen keine Lastwagenfahrt. Neben der Sicherheit und der Langlebigkeit spielt immer öfter auch die Nachhaltigkeit eine Rolle.

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