13-l-Motor für jede Treibstoffart – Volvo Group startet 2027 mit der neuen Verbrennungsmotoren-Plattform

Messen und Ausstellungen Ausgabe-08-2026

Die Volvo Group hat Millionen in die Entwicklung der neuen Plattform für Verbrennungsmotoren investiert. Sie ist für Diesel, alternative Treibstoffe, LNG und künftig Wasserstoff geeignet.

Selbst EV-Vorreiter wie die Volvo Group setzen wegen der Marktrealität weiter auf Verbrennungsmotoren. Die neue 13-l-Multifuel-Plattform heisst bei Renault Trucks DE13 R und bei Volvo Trucks D13 respektive G13.

Mit seinen neuen Elektro-Antriebssträngen ist Volvo Trucks soeben zum Truck of the Year 2027 gewählt worden (Seite 14). Doch mit den millionenschweren Investitionen in neue Antriebssysteme setzt die Volvo Group weiter auch auf den Verbrenner, zumal aktuell die Grosszahl an Lastwagen noch immer mit Dieselmotor verkauft werden. Auf der IAA Transportation in Hannover wurde die komplett neue 13-Liter-Plattform (Routiers 05 & 06/2026) der Öffentlichkeit vorgestellt, die im Januar 2027 in Produktion geht. Sie bringt nicht nur eine Verbrauchsreduktion um bis zu 4 %, sondern jene nötige Geräuschreduktion, damit die neuen, ab Mitte 2027 gültigen EU-Lärmvorschriften erfüllt werden.

Einer für alles

Mit der neuen Plattform verschlankt die Volvo Group ihr Motorenportfolio. So werden der 11-Liter-Motor D11 und die 13-Liter-Motoren D13, D13 Turbo Compound und der G13 (LNG) künftig allein durch die neuen D13- und G13-Motoren ersetzt. Beim D13-Diesel reicht die Leistungsspanne dann von 380 bis 560 PS, beim G13-Gas von 420 bis 500 PS. Den Triebwerkwechsel nimmt sowohl Volvo Trucks als auch Konzernschwester Renault Trucks vor, wobei die Motoren bei Renault leicht geringere Leistung haben werden. Zudem verzichtet Renault auch künftig auf eine LNG-Lösung, also kein G13-Motor.

Alternative Treibstoffe sind bei der neuen Plattform grundsätzlich berücksichtigt. Darunter befindet sich auch der in Entwicklung befindliche Wasserstoff-Verbrennungsmotor, der noch vor 2030 auf den Markt kommen soll. Der G13-Motor läuft wiederum auch mit Bio-LNG und die D13-Versionen sind natürlich HVO-tauglich sowie teilweise für Biodiesel B100 erhältlich (460 und 500 PS).

Nur der Hubraum bleibt

Von den grundlegenden Parametern eines Verbrennungsmotors bleibt eigentlich nur der Hubraum unverändert, die meisten anderen Komponenten sind neu. Das beginnt beim leichteren und zugleich stabileren Zylinderblock und beim ebenfalls stabileren Zylinderkopf, welche eine höhere Verdichtung möglich machen. Dazu kommen weiterentwickelte Kolben mit modifizierter Kolbenkammer. Im G13 gelangt erstmals der bisherige Single-Wave-Dieselkolben zum Einsatz, beim D13 ist es ein neuer Dual-Wave-Kolben.

Zudem kehrt die Volvo Group auf einen Turbolader mit variabler Turbinengeometrie VGT zurück. «Wir haben die unterschiedlichsten Lösungen mit dem Turbolader geprüft», sagt Peter Franzén, Produktmanager Powertrain bei Volvo, «und mit dem VGT der neusten Generation haben wir die besten Resultate erzielt.» Diese übertreffen gar jene des bisherigen I-Save-Motors (Turbo Compound TC), weshalb auf diese eher komplexe Version künftig verzichtet werden kann. Übrigens konnte durch gezielte Massnahmen auch die Motorbremse massiv verstärkt werden: Sie bietet mit bis zu 470 kW substanziell mehr Bremsleistung und wirkt bereits bei niedrigen Drehzahlen als heute. Auch beim Gasmotor leistet sie 470 kW, was für Gas ein absolut herausragender Wert ist.

I-Roll Stop/Start und neues I-Shift

Eco-Roll (I-Roll) kann durch eine neuartige Motor-aus-Funktion ergänzt werden (Routiers 04/2025). Mit ihr wird der Motor nicht nur ausgekuppelt, sondern bei entsprechender Situation beim freien Rollen gar ausgeschaltet. Das funktioniert jetzt noch effizienter, denn um bei Motor-aus lenkfähig zu bleiben, ist ein zusätzliches Lenkservo nötig. Dieses wird neu bei laufendem Motor abgekuppelt und reduziert so den Energiebedarf.

Montiert sind Zusatzservo und Kupplung von Motor-aus direkt am verstärkten I-Shift-Getriebe. Letzteres ist neu auf 2900 Nm Drehmoment ausgelegt und im 12. Gang als Direktgang konzipiert. Durch präzisere Abbrems- und Beschleunigungsmomente rund ums Aus- und Einkuppeln erfolgen die Gangwechsel nun noch rascher und präziser.

Text und Fotos: Martin Schatzmann