Zu wenig Platz, volle Raststätten und die Lenkzeit im Nacken: Die Parkplatzsuche kann für ordentlich Stress im Arbeitsleben von Chauffeuren sorgen. Dass sich daran etwas ändern muss, ist nicht neu. Der Ständerat Rolf Büttiker verlangte in seinem parlamentarischen Vorstoss im Jahr 2009, den Mangel an Lastwagen-Abstellplätzen entlang der Nationalstrassen und im urbanen Raum systematisch anzugehen. In der Folge beauftragte das zuständige Departement das Bundesamt für Strassen ASTRA, gemeinsam mit den Kantonspolizeien den Bedarf zu ermitteln und ein schweizweites Netz von Lastwagen-Abstellplätzen zu definieren. Bereits 2009 entstand ein erstes Lastwagen-Warteraumkonzept für die Nord-Süd-Achse. 2011/2012 wurde dieses aktualisiert und erweitert – unter anderem mit Blick auf die Grenzübergänge auf der A9 im Wallis.
Was bereits realisiert wurde
In den letzten Jahren sind entlang verschiedener Nationalstrassen zusätzliche Stellplätze geschaffen oder bestehende Anlagen erweitert worden. Besonders auf der Nord–Süd-Achse sind grosse Warteräume entstanden. Einige Beispiele:
– A2 Bodio und Monteforno (TI)
– A2 Ripshausen (UR) und A2 Knutwil (LU)
– A1 Wileroltigen (BE/FR): rund 30 neue Lastwagen-Plätze
– A1 Gurbrü (BE): rund 15 neue Lastwagen-Plätze
– A9 Raron und St. Maurice (VS): je rund 100 zusätzliche Stellplätze
Diese Anlagen sorgen heute vor allem bei Stau, Dosierungen oder starkem Verkehrsaufkommen für Entlastung – etwa vor den Alpenquerungen.
Was noch geplant ist
Weitere Projekte sind vorbereitet oder in Umsetzung, unter anderem:
– A1 Genf–Lausanne (Pierre Féline, La Côte, St-Prex)
– A5 Yverdon–Biel (Concise)
– A6 Thun–Spiez (Rastplatz Buchholz)
– A2 Neuenkirch: geplanter Warteraum mit rund 200 Lastwagen-Stellplätzen
Priorität haben Standorte mit hoher Verkehrsbelastung, hohem Schwerverkehrsanteil oder betrieblichen Anforderungen wie Dosierungen. Entsprechend liegt der Fokus weiterhin auf den Hauptachsen West-Ost und Nord-Süd.
Warum es vielerorts harzt
Neue Lastwagen-Abstellplätze entstehen nicht über Nacht. Geeignete Flächen sind knapp und stehen oft in Konkurrenz zu anderen Nutzungen. Zudem kommt es bei Planungsverfahren immer wieder zu Einsprachen – etwa wegen Lärm oder raumplanerischer Fragen. Das ASTRA bemüht sich, solche Aspekte frühzeitig in die Planung einzubeziehen und Projekte möglichst verträglich auszugestalten. Dennoch können sich Verfahren über Jahre hinziehen – zum Ärger vieler Berufsfahrer. Positiv ist: Bei neuen Anlagen fliessen auch Rückmeldungen aus der Praxis ein, etwa über den Austausch mit Vollzugsbehörden und Interessenvertretungen des Transportgewerbes.
Das bieten die Anlagen
Lastwagen-Abstellplätze dienen in erster Linie dazu, Ruhezeiten sicher und legal einzuhalten. Das ASTRA unterscheidet in der Ausstattung zwischen niedrig, mittel und hoch – alle erfüllen jedoch Mindeststandards:
– WC-Anlagen und Duschen
– Gute Beleuchtung
– Kameraüberwachung
– falls erforderlich, WiFi-Antennen und Telefonanschlüsse
– Anzahl und Anordnung der Parkplätze
– Erholungsareale (Grünräume mit Tischen und Bänken)
– Trinkwasseranschlüsse im Freien (saisonal)
Braucht es noch mehr Abstellplätze?
Um den Bedarf an Lastwagen-Abstellplätzen zu ermitteln, erhebt das ASTRA entlang der Nationalstrassen kontinuierlich Verkehrsdaten mittels automatischer Verkehrszählungen. So lassen sich Verkehrsaufkommen und Entwicklung über die Zeit beurteilen. Die aktuellen Verkehrsdaten zeigen: 2024 lag der Schwerverkehr gesamtschweizerisch etwa auf dem Niveau von 2010. Auf der Nord–Süd-Achse ist er sogar um rund 10 Prozent zurückgegangen. «Aus heutiger Sicht ergibt sich daraus kein akuter zusätzlicher Bedarf an weiteren Lastwagen-Abstellplätzen über die bereits geplanten Projekte hinaus», schreibt das ASTRA auf Anfrage. Gleichzeitig sei «langfristig mit einem moderaten Wachstum des Güterverkehrs zu rechnen». Denn gemäss den Verkehrsperspektiven 2050 des Bundesamts für Raumentwicklung wird die Fahrleistung der Lastwagen auf den Nationalstrassen zwischen 2025 und 2050 um rund 13 Prozent zunehmen. Heisst konkret: Zuerst sollen die bereits geplanten Anlagen realisiert werden. Danach wird neu beurteilt, ob weitere Standorte nötig sind.
Auch wenn vieles langsamer vorangeht, als sich die Branche wünscht – jeder neue Stellplatz verbessert die Situation. Ziel bleibt, Chauffeuren entlang der Nationalstrassen verlässliche, legale und sichere Abstellmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
Text: Fabienne Reinhard
Foto: Daniel von Känel
Rastplätze vs. Warteräume
Klassische Rastplätze dienen für kurze Aufenthalte aller Verkehrsteilnehmenden. Dagegen sind spezifische Lastwagen-Abstellplätze beziehungsweise Warteräume aus-schliesslich für den Schwerverkehr gedacht.
Fabienne Reinhard
