Die Unternehmen IVECO und PlusAI wollen schwere Lastwagen der Autonomiestufe 4 im realen Güterverkehr einsetzen. Die Tests starten ab 2026 auf einem rund 300 Kilometer langen Transportkorridor zwischen Madrid und Zaragoza in der spanischen Region Aragón.
Zum Einsatz kommen zwei schwere Sattelzugmaschinen des Typs S-Way, die mit der virtuellen Fahrer-Software «SuperDrive» von PlusAI ausgestattet werden. Während der gesamten mehrjährigen Erprobungsphase sitzt weiterhin ein Sicherheitsfahrer im Fahrzeug. Dies ist eine typische Vorgehensweise in der Übergangsphase von Assistenzsystemen zu vollautonomen Transportlösungen.
Die Fahrzeuge sollen im Regelbetrieb auf realen Frachtrouten des Logistikunternehmens Grupo Sesé unterwegs sein. Ziel ist es, den Einsatz autonomer Technik nicht nur im Testgelände, sondern unter echten Verkehrs- und Wetterbedingungen zu evaluieren.Für IVECO ist das Projekt Teil einer langfristigen Digital- und Automatisierungsstrategie. Durch Fahrzeugautomatisierung verspricht man sich höhere Verkehrssicherheit, effizientere Routenplanung, geringere Betriebskosten und nachhaltigere Transportketten.PlusAI wiederum verfolgt mit dem Programm eine klare industrielle Perspektive: Autonome Lastwagen sollen den Fahrermangel im Güterverkehr abfedern und gleichzeitig Lieferketten stabilisieren – ein Thema, das besonders in Europa zunehmend an wirtschaftlicher Relevanz gewinnt.
Das Level 4
Autonomiestufe 4 bedeutet: Das Fahrzeug kann innerhalb eines definierten Einsatzbereichs selbstständig fahren, ohne dass ein Mensch eingreifen muss – allerdings nur unter festgelegten Bedingungen (z. B. Autobahn-Korridor, bestimmte Wetterlagen). Genau deshalb konzentriert sich der Test auf eine klar definierte Strecke zwischen zwei Logistikzentren.
Branchenexperten sehen in solchen «Hub-zu-Hub»-Transporten den wahrscheinlich ersten wirtschaftlich sinnvollen Einsatz autonomer Lastwagen: lange Autobahnfahrten, wenige komplexe Stadtmanöver, hohe Planbarkeit.
Verlagerung nach Europa
Diese Kooperation markiert auch einen geopolitischen Trend: Während viele autonome Lkw-Projekte bislang vor allem in den USA stattfanden, verlagert sich die Erprobung zunehmend nach Europa. Strengere Regulierung, dichter Verkehr und vielfältige Infrastruktur gelten als besonders anspruchsvolle Prüfbedingungen – und damit als entscheidend für eine spätere Serienzulassung.
Text: Daniel von Känel