Auch in der aktuell mehr als angespannten Lage von Weltpolitik und Wirtschaft bleibt das Erreichen der Klimaziele 2050 eine Priorität vieler Firmen, Politiker und Privatpersonen. Dabei geht es nicht in erster Linie nur um den Ausbau der Elektromobilität, sondern darum, grundsätzlich den Ausstoss klimaschädlicher Stoffe in die Atmosphäre umfassend zu verringern. Und deshalb zählt nicht der Grundsatz «alles elektrisch», denn es ist nicht relevant, mit welcher Technologie herumgefahren wird, vielmehr zählt aus wissenschaftlicher Sicht, dass die genutzte Energie aus nachhaltiger Quelle stammt (Stichwort: Strom aus Kohlekraftwerk). Aus diesem Grund gehören alternative Treibstoffe wie HVO100 ebenfalls zu den Schlüssellösungen zur Bekämpfung der sich anbahnenden Klimakatastrophe.
HVO steht für Hydrotreated Vegetable Oils (mit Wasserstoff behandelte Pflanzenöle). Es basiert auf gebrauchten Speiseölen, auf tierischen Fetten aus Fischverarbeitung und Lebensmittelindustrie sowie auf Abfallstoffen aus der Zellstoffproduktion. Und HVO sorgt in der Well-to-wheel-Betrachtung für eine CO2-Reduktion gegenüber fossilem Diesel um 85 bis 90 %. Das haben Transporteure und Firmen längst erkannt und begonnen, zunehmend ihre Lastwagen und Transporter mit HVO zu betanken. Vor einem Jahr eröffnete sich diese Möglichkeit auch für Private, nachdem die gesetzlichen Grundlagen gelegt und anschliessend in Lyss bei André König die erste öffentliche HVO100-Tankstelle der Schweiz eingeweiht wurde (Routiers 02/2025). Seither sind viele Treibstoffanbieter nachgerückt (vgl. Kasten) und der neue Treibstoff, der praktisch in jedem Diesel-Fahrzeug und ohne die geringsten Modifikationen getankt werden kann, ist über das gesamte Mittelland an mehr als 55 Standorten erhältlich, Tendenz steigend.
Die Herkunft zählt
Noch produziert niemand in der Schweiz selbst HVO100, eine entsprechende Raffinerie befindet sich erst im Bau. Die Anbieter beziehen ihren Treibstoff aus Finnland und aus China. Mit einer Herkunftszertifizierung stellen die europäischen und schweizerischen Behörden aber sicher, dass das importierte HVO garantiert auf Abfallstoffen basiert und damit nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion steht. Im sehr hochwertig zusammengesetzten und verarbeiteten HVO sind beispielsweise weder Schwefel noch aromatische Stoffe enthalten. Deshalb riecht man HVO weder beim Betanken noch am Auspuff. Auch entsteht viel weniger Russ, was Filter, Brennräume, Einspritzdüsen und Ventile weniger verschmutzt und sich daher positiv auf die Lebensdauer der Fahrzeuge auswirkt.
In der Schweiz ist HVO100 zwischen 7 und 20 Rp./l teurer als fossiler Diesel. Im Vergleich zu den Investitionen, die eine Elektro-Umstellung verlangt, ist das aber ein eher kleiner Beitrag für die Reduktion des CO2-Ausstosses um bis zu 90 %.
Text und Fotos: Martin Schatzmann
Firmen, die HVO100 anbieten
An ausgewählten Tankstellen bieten unten stehende Firmen HVO100 öffentlich an (Details via Online-Karte):
• Agrola- und Landi-Tankstellen
• Avia Vereinigung
• Macro Swiss Energy
• Migrol
• New Process Energies an eigener Tankstelle und bei André König Lyss
• Socar
• Voegtlin-Meyer
• Volenergy an Tankstellen von BP, Hubrol, Miniprix und Rudi Rüssel.Meist erläutern die Anbieter HVO100 ausführlich auf ihrer Homepage. Eine Gesamtübersicht, inkl. Karte öffentlicher Tankstellen, gibt es unter hvo100.team.
Martin Schatzmann


