Die Auszeichnung wächst – 50 Jahre International Truck of the Year – 1982 bis 1986

Fahrzeuge und Technik Ausgabe-02-2026

Wohl kaum eine Auszeichnung wird in der Lkw-Branche höher geachtet als der International Truck of the Year IToY. 1977 wurde IToY erstmals vergeben. Rückblick Teil II.

ITOY 1982 – Ford Cargo

Für die Auszeichnung 1982 wurden mit der Schweiz und Finnland zwei weitere Länder ins Gremium aufgenommen. Die nunmehr zwölf Länder umfassende Jury kam zu einem klaren Verdikt zugunsten des Ford Cargo, der eine ganze Modellreihe repräsentierte und den ganzen Bereich von 6 bis 28,5 Tonnen abdeckte. Besonders gewichtet wurde in der Beurteilung die Tatsache, dass beim Cargo von Beginn weg spezielle Modelle mitentwickelt wurden, welche die Eigenheiten der verschiedenen Märkte berücksichtigten. So wurde beispielsweise ein 2,3 m breites Schweizer Modell lanciert, Norwegen erhielt höhere Motorenleistungen und die Fahrzeuge für Deutschland waren hochwertiger bestückt. Doch der in eine schwierige Marktsituation hinein lancierte Cargo schaffte es nie, sein volles Potenzial im Verkauf zu entfalten, und fand ein frühzeitiges Ende, nachdem Ford in England im Jahr 1986 ganz durch Iveco übernommen worden war.

Richard Stanier

 

ITOY 1983 – Renault G260

Mit deutlichem Vorsprung auf die Konkurrenz von Scania und DAF gewann Renault mit dem G260 den Truck of the Year 1983. Das Modell war die erste echte Neuerscheinung vom Hersteller Renault Véhicules Industriels RVI, der 1978 aus dem Zusammenschluss von Saviem und Berliet hervorgegangen war. Bei Truck of the Year wurden damals Neuerscheinungen bewertet, die bis zu anderthalb Jahren vor der Bewertung auf den Markt gekommen waren. Das war beim G260 mit der Lancierung 1980 der Fall, und so zogen die inzwischen 13 Jury-Mitglieder die ausserordentlich guten Rückmeldungen aus dem ersten Jahr im Praxiseinsatz mit ein, die vor allem in den Punkten Wirtschaftlichkeit, Nutzlast und Verdienstmöglichkeit hervorstachen. Der G260 eignete sich für ein breites Einsatzspektrum, vom schweren, langstreckentauglichen 38-Tonner bis zum leichten, wendigen Verteilerfahrzeug. Die Kabine übrigens war die Gemeinschaftskabine des Viererklubs (DAF, Magirus-Deutz, Saviem, Volvo), die 1975 erstmals vorgestellt worden war.

Richard Stanier

 

ITOY 1984 – Volvo F10

Mit dem überarbeiteten F10 wurde Volvo zum zweiten Mal mit dem Truck of the Year ausgezeichnet. Dabei gefiel der Jury besonders der Umstand, dass Volvo ein Premium-Fahrzeug geschaffen hatte, das über Europas Betriebsanforderungen hinausging. Dazu waren beim F10 die Kabine, die Motoren und das Chassis gründlich überarbeitet worden. Für die Änderungen waren vorgängig Chauffeure extensiv befragt worden, zusätzlich zur Berücksichtigung der gesetzlichen und technologischen Entwicklungen. Es resultierten niedrigere Fensterunterkanten für ein besseres Sichtfeld, dazu kamen mehr Kopfraum über dem Bett und mehr Länge in der Day-Cab, wobei letzteres Platz für ein Klappbett schaffte. Der 9,6-l-Motor TD101F mit 299 PS war mit Ladeluftkühlung versehen und wies weitere innermotorische Neuerungen auf. Chassis und Fahrwerk waren ebenfalls überarbeitet worden, unter anderem mit neu angeordneten Treibstoff- und Drucktanks, Batteriekästen und neuem Abgasnachbehandlungssystem.

Richard Stanier

 

ITOY 1985 – Mercedes-Benz LN2

Mit seiner leicht- bis mittelschweren Baureihe LN2 schaffte es Mercedes-Benz erstmals, die Trophäe abzuholen. Einer der wichtigen Gründe für die damals noch immer 13 Jury-Mitgliedern war die Vielfältigkeit der modularen Konzeption. Die übrigen Finalisten in jenem Jahr waren allesamt auf ein Modell beschränkt, mit dem LN2 deckte Mercedes-Benz hingegen eine Vielzahl von Anwendungen in unterschiedlichen Gewichtsklassen ab, zwischen 6,5 und 13 t in der Chassis-Version und bis zu 21 t bei Zugmaschinen. Ford hatte drei Jahre davor eine ähnliche Vielfältigkeit mit dem Cargo bis hoch in die schwere Klasse vorgestellt, Mercedes-Benz hingegen beschränkte sich auf leichte bis mittelschwere Modelle, denn im schweren Segment waren die Deutschen mit anderen Fahrzeugen präsent. Die Ingenieure hatten zum Ziel, den sichersten, langlebigsten Qualitäts-Lkw zu schaffen, bei dem in allen Segmenten die gleiche Sorgfalt zur Anwendung kommen, also auch bis in die leichtesten Versionen, einfliessen sollte. Die Kabine war mit Schlafoption erhältlich und war qualitativ auf dem Niveau schwerer Lastwagen. Servolenkung war Serie, Luftfederung und ABS waren Option. Im LN2 wurden auch Turbointercooler-Motoren eingeführt, ebenso wie diverse Getriebeoptionen, inklusive Automatikgetriebe.

Richard Stanier

 

ITOY 1986 –Volvo FL

Die bereits dritte IToY-Auszeichnung holte sich Volvo für die neue FL-Familie, welche den F7 ersetzte, der erst 1979 die IToY-Trophäe gewonnen hatte. Die rasante Technologieentwicklung im Transportsektor und die Einschränkungen eines 7-Liter-Motors im schweren Einsatz haben Volvo bewogen, den F7 nach nur sieben Jahren abzulösen. Die neue FL-Familie wurde gezielt für Einsätze im Verteilerverkehr, auf der Baustelle und im Mittelstreckenbetrieb ausgelegt, zugleich arbeitete Volvo auf eine Reduktion der langfristigen Betriebskosten hin, mit speziellem Fokus auf die Reduktion der variablen Kosten. Die Palette bestand aus den in Schweden gebauten FL7 und FL10, welche das Spektrum zwischen 16,28 bis 38 t abdeckten sowie für 11 bis 16,5 t des in Belgien produzierten FL6. Die FL-Reihe war mit zwei unterschiedlichen Kabinen im Angebot, dazu kamen neue Intercooler-Motoren mit 5,5 und 6,7 l Hubraum (150 bis 245 PS), wobei für die Topmotorisierungen auf den 9,6-l-TD101F (299 PS) aus dem F10 zurückgegriffen wurde.

Richard Stanier

 

IToY International Truck of the Year

Die IToY-Jury ist eine internationale Organisation, welche in 25 Ländern Europas vertreten ist. Mitglieder sind Redaktoren und Journalisten der renommiertesten Nutzfahrzeug-Publikationen. In der Schweiz wird IToY durch den «Routiers» vertreten. Angestossen wurde die Auszeichnung, welche jährlich jenen Lkw wählt, der in den Augen der Jury den grössten Beitrag zur Entwicklung des Strassengüterverkehrs leistet, im Jahr 1976 vom Briten Pat Kennett, der als Chefredaktor von «Truck Magazine» amtete. Heute ist IToY weltweit vernetzt, mit wichtigen Lkw-Publikationen in Südafrika, Brasilien, Australien/Neuseeland, China, Indien, USA usw.

truck-of-the-year.com

Martin Schatzmann