Die Baustelle besäuseln – Unterwegs im neuen eArocs 400

Fahrzeuge und Technik Ausgabe-08-2026

Mercedes-Benz hat den eArocs 400 als 8×4 ausgelegt und bringt mit ihm den lokal emissionsfreien Elektroantrieb in den robusten Baustellen-Lastwagen.

Mercedes-Benz baut sein E-Lkw-Portfolio aus und bringt die Stromerlösung auch in den Baustellenbereich. Neben dem neu lancierten eArocs 400 werden aber auch die bekannten eActros 400 und eActros 600 um diverse interessante Möglichkeiten erweitert.

Es war eine Frage der Zeit, bis Mercedes-Benz auch im Arocs den Elektroantrieb anbieten würde. Beim jetzt erhältlichen eArocs 400 kommen die gleichen baulichen Unterschiede zum Tragen wie bei den Diesel-Modellen von Actros und Arocs. Das Chassis des Arocs baut um 80 mm schmaler als jenes des Actros, um den nötigen Raum für grosse Räder zu schaffen. Zudem profitiert der Actros von einer Luftfederung, während der Arocs auf ein robustes Stahlfederwerk aufbaut.

Angeboten wird der eArocs 400 ausschliesslich als 8×4-Lösung mit Zentralmotor und 3-Gang-Getriebe. Da verbleibt im Chassis wenig Platz für Batterien, weshalb diese hinter dem Fahrerhaus übereinander gestapelt werden. Es handelt sich um die bekannten, modernen LFP-Batterien, welche mit je 207 kWh Kapazität im eArocs 400 eine Gesamtkapazität von 414 kWh bieten. Das reicht bei einer Kipperlösung für eine Reichweite von immerhin 240 km, beim Betonmischer hingegen sind es wegen der Dauerlast auf dem PTO rund 200 km. Klingt vielleicht nach wenig, reicht aber heute für die meisten Tageseinsätze auf Baustellen vollkommen aus.

Auf dem speziellen Testgelände der Coreum GmbH in Stockstadt, südlich von Frankfurt, fuhren wir den eArocs 400 erstmals im Geländeeinsatz. Dabei spielte auch er die Trumpfkarte des flüsterleisen Betriebs aus. Trotz viel Gewicht, teilweise steilen Rampen und unebenem Geläuf gab sich der Elektro-Vierachser keine Blösse. Dazu verfügt der Elektromotor mit 380 kW Dauerleistung (517 PS) und einem Peak von bis zu 450 kW (612 PS) über genügend Reserven. Für die Kraftübertragung auf den Boden kann übrigens wie beim «normalen» Arocs zwischen Hypoid- und Aussenplanetenachsen gewählt werden.

ePTO und mPTO

Nicht nur im Baustellenbetrieb sind Lastwagen mit Zusatzaggregaten für den Betrieb von beispielsweise einem Kran, der Kippereinheit oder des Mischers bestückt. Dafür wurde eine spezielle Einheit geschaffen, welche mit einem leistungsfähigen Elektromotor für die Hydraulikeinheit bestückt ist. Der direkt von der Hochvoltbatterie gespeiste E-Motor hat eine Dauerleistung von 78 kW mit 300 Nm Drehmoment (Peak 90 kW, 530 Nm). Die Baugrösse des Systems hat Mercedes dadurch verringert, dass die Hydraulikkühlung direkt in den Kühlkreislauf des Lastwagens integriert wird.

Der beschriebene mPTO ist als Montageeinheit für den eActros 600 als Sattelzugmaschine auf einem Rahmen montiert und wird platzsparend hinter der Kabine platziert. In den Sattelzugmaschinen des eActros 400 hingegen und in den diversen Solo-Chassis – also auch jenen des eActros 600 und des eArocs 400 –, wo mehr Bauraum vorhanden ist, wird der Hydraulikmotor jedoch direkt im Fahrzeugchassis montiert.

Für Kühlaufbauten bietet Mercedes-Benz einen speziellen ePTO, der mit 400 V AC und 22 kW ideal für diese Aufgabe ausgelegt ist.

News im bestehenden Programm

Das Flaggschiff eActros 600 ist für Sattelzugmaschinen neu auch als 6×2 im Angebot. Dieser Dreiachser löst die Problematik von zu hohen Achslasten, welche Transporteure ab und an stark herausfordern. Neu ist im eActros 600 auch ein Kompressor erhältlich für den Silo-Betrieb. Das Clevere dabei: Mit ihm sind gleichzeitig das Laden der Batterie und der Betrieb des Silos möglich.

Während der eActros 600 ja eher für lange Strecken ausgelegt ist, bietet sich der eActros 400 eher für Anwendungen auf kürzeren Strecken, aber mit hohen Zuladungen an. Das liegt darin begründet, dass im 400er nur zwei statt drei Batteriepakete eingebaut sind. Deshalb weist der 400er ein um rund zwei Tonnen geringeres Leergewicht auf, das der Nutzlast zugutekommen kann. Bislang war aber der eActros 400 ausschliesslich mit der herkömmlichen 2,3-m-Kabine erhältlich, Stichwort leichter Zugang, neu kann auch er mit der komfortableren ProCab des eActros 600 geordert werden.

Und für Firmen, die den eActros 400 für die Müllabfuhr einsetzen wollen, hat Mercedes-Benz den Antrieb gezielt auf das viele Stoppen und Anfahren und die generell gefahrenen, niedrigeren Geschwindigkeiten adaptiert. So ist die eingebaute E-Achse zwar mechanisch identisch wie im «normalen» eActros 400, ihre Leistung wurde aber reduziert und die Steuerung ist gezielt auf dieses Einsatzmuster angepasst.

Text: Martin Schatzmann 
Fotos: Martin Schatzmann & Daimler Truck