Echte Kreisläufe schaffen

Messen und Ausstellungen Ausgabe-05-2026

Neue Lastwagen aus bereits einmal genutzten Materialien herstellen – das Ziel des reEconic ist eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.

Auf der IFAT 2026 war die Kreislaufwirtschaft besonders grossgeschrieben (siehe links). Aus Umweltschutzgründen war das Thema schon länger ein Bestandteil bei vielen Firmen, doch die aktuell sehr instabile Weltlage, welche die Ressourcenabhängigkeit deutlich vor Augen führt, verleiht der Kreislaufwirtschaft noch mehr Dringlichkeit. Da passte das Projekt des Mercedes-Benz reEconic ausgezeichnet nach München. Total haben 33 Partner am reEconic mitgearbeitet, wobei Mercedes-Benz und der Müllfahrzeugspezialist Faun sowie das deutsche Recycling-Unternehmen TSR Group federführend waren.

Beim Fahrzeug, das auf dem elektrischen eEconic basiert, sowie beim Aufbau von Faun wurden ausgewählte Bauteile durch recycelte Werkstoffe und Natur- und biobasierte Materialien ersetzt. Entsprechend haben am Projekt Spezialfirmen fürs Recycling sowie Firmen aus den Bereichen der metall-, kunststoff-, glas- und holzverarbeitenden Industrie mitgearbeitet. Die TSR Group bringt das Projekt auf den Punkt: Geschlossene Kreisläufe können nur dann entstehen, wenn sie über die ganze Wertschöpfungskette hinweg gemeinsam gedacht und umgesetzt werden.

Gute Perspektive

Bei der Umsetzung wurden jedoch noch nicht alle Materialien ersetzt, die möglich wären. Dafür wurde aber das Projekt vom TÜV Süd begleitet und bewertet. Die Prognose dieser unabhängigen Stelle kommt auf einen Recycling-Anteil von bis zu 80 % beim gesamten Fahrzeug. Dabei ist die Batterie noch nicht eingerechnet. Letzteres hat einen einfachen Grund: in Europa gibt es noch keine Batteriezellen-Herstellung, entsprechend ist eine Kreislaufwirtschaft, welche aus gebrauchten Traktionsbatterien wieder neuwertige Energiespeicher herstellt, noch nicht möglich.

Nachfolgend stellen wir ein paar der verwendeten Materialien beim reEconic vor. Der Flachstahl von Vorderachse und Längsträger weist einen Recyclinganteil von 88 % auf. Das Aluminium des Fahrerhausrahmens und des Batterieaufprallschutzes ist zu 75 % aus Alu gebrauchter Produkte hergestellt. Erdölbasierte Kunststoffe werden durch recyclierte Polymere und aus Natur- und biobasierten Materialien ersetzt. Auch beim Glas kommt recyceltes Material zum Einsatz: 64 % der Glasflächen bestehen im reEconic aus Recycling-Glas, lediglich Seitenfenster und Rückspiegel sind aus der normalen Fertigung. Und schliesslich sind erstmals in einem modernen Lkw Elemente im Fussboden und am Kotflügel wieder aus Buchenholz gefertigt.

Das Fahrzeug geht bei Remondis für ein Jahr in den Realeinsatz, um die Praxistauglichkeit zu verifizieren. Zudem will Mercedes bis Ende Jahr entscheiden, was aus dem Projekt in die Serienfertigung einfliessen soll.