IToY 2007 – DAF XF105
Der Preisträger war eine Weiterentwicklung des im Jahr 2002 lancierten XF95 und wartete mit einem stark überarbeiteten Kabineninnern, neuen Aussenspiegeln und einem neuen Motor auf. Letzterer war notwendig, um die Euro-4-Vorgaben erfüllen zu können. Der 12,9-l-MX-Motor kam mit 25 % weniger Bauteilen aus, besass einen 4-Ventil-Zylinderkopf und u. a. ein einzelnes Schmiermodul für Ölfilter, Thermostat und Kühler. Die Leistungswerte lagen rund 20 PS unter denen des 12,6-l-Vorgängers, allerdings mit signifikant höherem Drehmoment bei sehr tiefen Drehzahlen. In der Kabine schuf ein um 150 mm abgesenkter Motortunnel mehr Raum und der Chauffeur profitierte von einem komplett neu arrangierten Armaturenträger. Neben einem aufgefrischten Kühlergrill bot DAF vor allem grössere und physisch unterteilte Aussenspiegel.
Richard Stanier
IToY 2008 – MAN TGX und TGS
Die von der Jury ausgezeichnete MAN-TG-Modellreihe überzeugte mit drei Hauptneuerungen. Erstens: Die neue TG-Reihe ersetzte den TGA, der die IToY-Auszeichnung von 2001 geholt hatte, wobei dieser neu in Polen für aussereuropäische Märkte weitergebaut wurde. Zweitens: In Abhängigkeit von der Kabine wurde die TG-Reihe in zwei eigenständige Reihen aufgeteilt: Der TGS (schmalere Kabine) wird eher lokal und für Kommunalaufgaben eingesetzt, während der TGX mit breiterer Kabine für die Langstrecke auserkoren war. Und drittens: Mit dem TGX wurde ein neues Flaggschiff lanciert, mit einem kräftigen 16,2-l-V8 mit 680 PS, der gemeinsam mit Liebherr entwickelt worden war und bis zu 3000 Nm Drehmoment bot. Mit dem V8 war der MAN TGX der damals stärkste Lkw in Europa. Die Kabine war stark modernisiert und mit widerstandsfähigeren Materialien bestückt worden. Der Aerodynamikfeinschliff reduzierte den Verbrauch um 2 % und brachte zugleich eine Innengeräuschreduktion um 13 %.
Richard Stanier
IToY 2009 – Mercedes-Benz Actros
Erstmals in der Geschichte von IToY wurde mit dem Actros eine Modellreihe zum dritten Mal mit der Trophäe ausgezeichnet. Die dritte Generation Actros war zwar keine Revolution, aber in der Evolution brachte Mercedes-Benz so viele Neuerungen in die Praxis, dass das Modell weiterhin als Vorreiter technischer Innovation galt. Die bestehenden 12-l-V6- und 16-l-V8-Motoren waren mit SCR-Technologie bestückt und sie wurden standardmässig mit dem bislang optionalen automatisierten 12-Gang-Getriebe Powershift 2 ausgerüstet – damals der erste schwere Lkw, der als Basis ein automatisiertes 12-Gang-Getriebe hatte. Luftkompressor und Kühlerpumpe wurden bedarfsgesteuert aktiviert, was den Verbrauch um 1 % reduzierte. Neben diversen technologischen Verbesserungen war der Actros der erste Lkw mit einem Notbremsassistenten (Active Brake Assist). Und als weitere Lkw-Premiere bot der Actros auf Wunsch Licht- und Regensensoren.
Richard Stanier
IToY 2010 – Scania R-Series
Seine zweite Trophäe gewann der Scania R mit bewährten Motoren, Designanpassungen, verbessertem Interieur und technologischen Erweiterungen. Die Motoren reichten von 12- und 13-l-Sechszylindern bis zum 16,4-l-V8, mit einer Leistungsspanne von 360 bis 730 PS. Das automatisierte Opticruise-Getriebe wurde aufgewertet, wobei Scania dabei das bislang noch vorhandene Kupplungspedal verabschiedete. Die neue Getriebesteuerung brachte raschere und zugleich geschmeidigere Reaktionen. Neu gab es einen Manövermodus und für Kippermodelle einen Schaukelmodus. Das Aussendesign wurde leicht modifiziert und mit einem leicht grösseren Markenschriftzug versehen. Grössere Lücken zwischen den Querbalken des Kühlergrills hatten optische, aber vor allem technische Funktionen, da sie den nötigen Luftdurchfluss für die bevorstehende Einführung von Euro 6 sicherstellen mussten. Das Kabineninnere wurde deutlich modernisiert, wobei das untere Bett als Ausziehlösung die bisherigen Schaumstoffeinlagen obsolet machte. Eine besondere Neuheit war das Driver Support System, welches das Fahrverhalten des Chauffeurs mit einer Sternevergabe im Armaturenbrett bewertete. Das für damalige Verhältnisse innovative Lerntool begutachtete dabei das Befahren von Steigungen, das Bremsen und die vorausschauende Fahrweise.
Richard Stanier
IToY 2011 – Mercedes-Benz Atego
Die IToY-Auszeichnung erhielt der Atego in einer gefacelifteten Version, welche neben einem an Actros angelehnten Kühler vor allem ein deutlich aufgewertetes Fahrerhaus erhielt. Darunter fielen eine pneumatische Lenkradverstellung und das Multifunktionslenkrad, was nach Mercedes-Schreibweise den Komfort des schweren Lkws in den Zuliefer-Lkw brachte. Es standen drei Kabinen-Versionen zur Wahl (Verteiler, Langstrecke, Luxus), im Hochdach auch mit Doppelbett. Technisch interessant war jedoch die Einführung einer Hybridversion als Atego 1222 L EV. Dabei kombinierte Mercedes den 4,8-l-Vierzylinderdiesel (218 PS) mit einem E-Motor (44 kW). Letzterer war zwischen dem Diesel und dem automatisierten 6-Gang-Getriebe montiert und wurde beim Anfahren und beim Beschleunigen eingesetzt, wobei die Lithium-Ionen-Batterie durch Rekuperation geladen wurde. Wie auch heute bei neuer, moderner Technologie setzten die Kosten einen limitierenden Faktor sowie die Nutzlastbegrenzung durch das Zusatzgewicht.
Richard Stanier
IToY International Truck of the Year
Die IToY-Jury ist eine internationale Organisation, welche in 25 Ländern Europas vertreten ist. Mitglieder sind Redaktoren und Journalisten der renommiertesten Nutzfahrzeug-Publikationen. In der Schweiz wird IToY durch den «Routiers» vertreten. Angestossen wurde die Auszeichnung im Jahr 1976 vom Briten Pat Kennett, der als Chefredaktor von «Truck Magazine» amtete. Sie zeichnet jährlich jenen Lkw aus, der in den Augen der Jury den grössten Beitrag zur Entwicklung des Strassengüterverkehrs leistet. Heute ist IToY weltweit vernetzt, mit Lkw-Publikationen in Südafrika, Brasilien, China, Australien / Neuseeland, Indien, USA usw. truck-of-the-year.com
Martin Schatzmann





