Als MAN im vergangenen Frühsommer die Serienproduktion seiner Elektro-Lastwagen aufgenommen hat, boten die Münchner von Beginn weg praktisch ihr gesamtes Fahrzeugspektrum mit dem neuen Antrieb an, darunter auch den fürs städtische Umfeld prädestinierten eTGL. Für dieses Modell kommt nun eine zusätzliche Version für Kühlaufbauten. Dazu wurde eine Hochvolt-Schnittstelle im eTGL integriert, welche die direkte Versorgung des Kühlaggregats aus dem Hochvoltnetz des Fahrzeugs ermöglicht. Mit dieser in Lyon vorgestellten Lösung reicht das Portfolio für die Kühllogistik bei MAN nun von 12 bis 42 Tonnen. Das Chassis-Leergewicht des eTGL beträgt rund 5,4 t, die Nutzlast variiert entsprechend der Aufbauten.
Der Antriebsstrang ist der kleinste der drei E-Truck-Lösungen von MAN, umfasst einen zentral montierten Elektromotor mit 210 kW (285 PS) und 800 Nm (Peak 1050 Nm) sowie ein Zwei-Gang-Getriebe. Im eTGL sind zwei Batteriepakete à 89 kWh (netto 80 kWh) eingebaut. Diese ermöglichen bis zu 310 km Reichweite mit Trockenkoffer, mit dem neuen Kühlkoffer verbleiben bis zu 260 km.
Gemeinsam Lösungen bieten
Wie in anderen Ländern sucht MAN durch gezielte Kollaborationen den Hochlauf der Nutzfahrzeug-E-Mobilität zu beschleunigen. Um beispielsweise die Investitionskosten zu reduzieren, nutzen Transportunternehmen verstärkt das Leasing, wozu MAN France seine eigenen Ressourcen über MAN Rental nutzt und neu auch jene von Fraikin France.
Dank der erst jungen Zusammenarbeit von MAN mit dem französischen Energiekonzern Électricité de France EDF will MAN in Frankreich die Kostenparität von E-Trucks mit Diesel-Trucks erzielen. Dazu wurde das Programm MAN Charging 360 lanciert. Es bietet einerseits eine Anschaffungskosten-Vergünstigung für E-Lastwagen, die u. a. über die EDF gewährt wird. Dazu kommt der geringe Energieverbrauch bei MAN, der im Schnitt aller bereits im Einsatz stehenden E-Trucks von MAN bei 0,93 kWh/km liegt. Zugleich sollen mit MAN Charging 360 rund ums eigentliche Laden deutliche Vergünstigungen geschaffen werden. Das umfasst Anschaffung und Montage einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur (von EDF-Tochter Izivia), aber auch die Energiekosten mittels dynamischem Lademanagement (von Dreev, ein Joint Venture von EDF und Nuvve).
Text: Martin Schatzmann
Fotos: Martin Schatzmann / MAN
Stark engagiert bei HVO und B100
In Frankreich gewinnen alternative Treibstoffe wie HVO und Biodiesel B100 zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen einerseits die freie Fahrt bei städtischen Zufahrtsbeschränkungen, andererseits arbeiten zahlreiche Stellen an Angeboten, um in Frankreich aus lokalen Ressourcen B100 herzustellen. Solche lokale B100-Treibstoff-Herstellungen wurden auf der Solutrans von diverse Anbietern gezeigt. MAN Truck & Bus hat diesen Treibstofftrend in Frankreich früh erkannt und verkauft heute knapp 20 % seiner Liefer- und Lastwagen in der Grande Nation als B100- und HVO-Fahrzeuge.
Nun verstärkt MAN in diesem Bereich sein Engagement und bringt für die Leistungsstufen 480 und 520 PS im neuen D30-Motor Versionen, die ausschliesslich für B100 eingerichtet sind, mit einem komplett neuen GreenLion-Treibstoffsensor. Zudem hat MAN die sogenannte GreenBox im Angebot, welche mittels spektrometrischer Treibstoffanalyse sicherstellt, dass ein Fahrzeug ausschliesslich mit B100-Biodiesel betrieben wird. Diese GreenBox ist für ein breites Antriebsspektrum erhältlich, einerseits für den D08-Motor in TGL und TGM, andererseits im Motor D26 Evo für TGX und TGS.
Martin Schatzmann

