«Gemeinsamer Kindheitstraum» – Aninja und Arjana Hartmann wechselten von der Pflege ins Cockpit

Serie «Junge Chauffeusen» Ausgabe-09-2026

Aninja und Arjana Hartmann (v. l.) aus Valzeina (GR).

Aninja (27) und Arjana (25) Hartmann sind in Valzeina (GR) mit Tieren, Landwirtschaft und dem Lastwagen ihres Vaters aufgewachsen. Heute sitzen die beiden Schwestern selbst am Steuer, obwohl sie zuerst eine andere berufliche Richtung einschlugen. Gemeinsam haben sie ihren Kindheitstraum verwirklicht. Hier erzählen sie ihre Geschichte.

Die beiden Schwestern Aninja und Arjana Hartmann sind mit zwei weiteren Geschwistern auf dem Bauernhof ihrer Eltern im kleinen Walserdorf Valzeina aufgewachsen. Das Leben auf dem Hof, die Tiere und die Landwirtschaft gehörten für sie von klein auf zum Alltag. Die beiden hatten seit jeher eine enge Verbindung zueinander. Sie sind nicht nur Schwestern, sondern auch beste Freundinnen und Helferinnen in «Nöten».

Bereits im Mädchenalter wurde alles darangesetzt, ihren Vater im Lastwagen begleiten zu können. Besonders die Fahrten mit den Tieren sind ihnen bis heute in Erinnerung geblieben. Vom Engadin ins Unterland bis ins Tessin waren sie mit dabei, wenn Tiere auf Bauernhöfen abgeholt oder an ihren neuen Bestimmungsort gebracht wurden. Dabei lernten sie nicht nur viele Regionen kennen, sondern auch Bauernfamilien, aus deren Bekanntschaften über die Jahre Freundschaften entstanden.

Die Landwirtschaft, der Umgang mit den Tieren und das Unterwegssein gehörten so schon früh zusammen. Und wann immer es möglich war, waren die beiden Schwestern gemeinsam mit ihrem Vater unterwegs.

Arjana wie auch Aninja hatten denselben Traum: Sie wollten einmal selbst Lastwagen fahren. Frauenpower am Steuer gab es in der Familie bereits, denn auch ihre Tante sitzt schon seit Jahren hinter dem Lenkrad. Arjana hatte sogar in Erwägung gezogen, den Beruf zu erlernen. Beim Schnuppern war die damals 16-Jährige jedoch noch der Meinung, dass die Branche für sie etwas zu männerlastig sei.

Unzertrennlich

Auch beruflich zeigten sich Parallelen zwischen den beiden Schwestern: Beide absolvierten eine Ausbildung im Gesundheitswesen. Der gemeinsame Kindheitstraum vom Lastwagenfahren geriet dabei aber nie ganz in Vergessenheit. Im Spätherbst fiel schliesslich der feste Entschluss, diesen Traum zu verwirklichen. Also klemmten sie sich gemeinsam hinter das Lernmaterial – mit jener Ausführlichkeit und Disziplin, die sie aus ihren erlernten Berufen mitbrachten. Nach bestandener Theorieprüfung im Dezember ging es endlich auf die Strasse. Auch die Fahrstunden meisterten die Schwestern gemeinsam. Die eine fuhr, die andere sorgte für Unterhaltung, danach wurde gewechselt. Passend zu ihrer gemeinsamen Geschichte traten Aninja und Arjana schliesslich am selben Nachmittag, direkt nacheinander, zur Lastwagenprüfung an.

Stolzer Ätti

Dass beide innerhalb weniger Stunden die Prüfung bestanden, machte nicht nur die Schwestern glücklich. Für ihren Vater Andi war es ein ganz besonderer Moment. Er war und ist das grosse Vorbild von Aninja und Arjana. Durch ihn ist ihre Begeisterung fürs Lastwagenfahren eng mit ihrer Kindheit auf dem Bauernhof und den gemeinsamen Tiertransporten verbunden.

Als die beiden nach bestandener Prüfung noch auf dem Areal der Prüfungsstelle standen, näherte sich hupend jener rote Lastwagen, der ihnen schon aus Kindertagen bestens vertraut war. Mit einem Blumenbukett und dem Vaterstolz ins Gesicht geschrieben kam ihr Ätti angefahren. Ein Moment, der allen in Erinnerung bleiben wird. Mit der bestandenen Prüfung war das Abenteuer noch lange nicht abgeschlossen. Weitere Kurse, die Anhängerprüfung und vor allem das Sammeln praktischer Erfahrung standen als Nächstes an. Bereits am Tag nach der Prüfung folgte die erste Fahrt als frischgebackene Lastwagenfahrerinnen. Gemeinsam ging es mit Pferden bei wunderschönem Frühlingswetter über den Brünigpass nach Interlaken. Für die beiden Bauerntöchter und Reiterinnen ist der Umgang mit Tieren seit ihrer Kindheit ein grosser Bestandteil. Tiere sicher zu transportieren und gleichzeitig einen Lastwagen zu führen, brachte jedoch nochmals eine ganz neue Verantwortung mit sich.

Heute sammeln Aninja und Arjana beide ihre eigenen Erfahrungen hinter dem Steuer und gehen dabei unterschiedliche Wege. Was sie verbindet, ist jedoch derselbe Ursprung: ihre Kindheit auf dem Bauernhof in Valzeina, die gemeinsamen Fahrten mit ihrem Vater und die Verbundenheit mit der Landwirtschaft. Aus den beiden Mädchen, die früher unbedingt mit dem Ätti im Lastwagen mitfahren wollten, sind heute zwei Lastwagenfahrerinnen geworden – genau so, wie sie es sich schon als Mädchen erträumt hatten.

Text: Arjana und Aninja Hartmann 
Fotos: ZVG