Hyundai expandiert in Europa

Fahrzeuge und Technik Ausgabe-01-2026

Seit Frühjahr 2020 dreht in der Schweiz ein veritabler Wasserstoffkreislauf, der auf dem Betrieb der Lastwagen von Hyundai Hydrogen Mobility HHM basiert. Inzwischen hat HHM nach Deutschland expandiert und baut von dort seine Präsenz in Europa aus.

Die Folgen auf die Energieversorgung und -preise durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine haben auch im Wasserstoff-Leuchtturmprojekt der Schweiz mit dem Hyundai Xcient Fuel Cell ihre tiefen Spuren hinterlassen. Zwar sind die knapp 50 Schweizer Hyundai-Lastwagen der verschiedenen Transportunternehmen, die seit 2020 zirkulieren, täglich im Einsatz, die auf heute eigentlich erhoffte Expansion auf 2000 und mehr Brennstoffzellen-Lkws wurde durch den Krieg und die Energiepreisentwicklung aber jäh gestoppt. Doch allen Unkenrufen zum Trotz hatte die Hyundai Motor Company am Projekt festgehalten und vorzeitig die Europa-Expansion gestartet.

Stete Weiterentwicklung

Der Startschuss für das generelle Hyundai-Projekt war auf die IAA Hannover 2018 gegeben worden, im Sommer 2019 wurde das Joint Venture Hyundai Hydrogen Mobility HHM von H2Energy in Zürich und der Hyundai Motor Company gegründet. Zusammen mit dem Wasserstoffproduzenten und -lieferanten Hydrospider und dem H2 Förderverein Schweiz (Tankstellenbetreiber, Grossverteiler, Transporteure) wurde der nötige Kreislauf für die neue Technologie geschaffen. Dieser Kreislauf drehte von Beginn weg ziemlich rund und funktioniert noch heute tadellos.

Grosse Bedeutung hat die Gründung 2022 der 100-%igen Tochtergesellschaft Hyundai Hydrogen Mobility Germany HHMG. Von Deutschland aus wird inzwischen auch die Expansion in anderen EU-Staaten koordiniert. Aktuell läuft der Xcient Fuel Cell neben der Schweiz und Deutschland bereits in den Niederlanden, in Österreich und Frankreich. Insgesamt stehen in Europa mehr als 170 Brennstoffzellen-Lastwagen im Einsatz. Auf der Solutrans in Lyon hat Charles Cambournac, Direktor von HHMG, die neusten Entwicklungen präsentiert.

Zu Beginn waren die Wasserstofftanks fest mit den Lkw-Aufbauten verbunden, inzwischen gibt es in Zusammenarbeit mit dem Spezialisten Paul Nutzfahrzeuge auch eine selbsttragende Tankbefestigung. Sie ermöglicht, dass der Hyundai Xcient Fuel Cell auch mit beweglichen Aufbauten oder Krankonstruktionen einsetzbar ist. Dazu gehören beispielsweise Abfallsammler-Aufbauten von Faun und Terberg sowie Abroll-Container (Details in Routiers 7/2025).

Das Grundfahrzeug hat seit der Lancierung 2020 bereits mehrere Entwicklungsstufen durchlebt. So ist seit letztem Sommer beispielsweise auch ein Spiegelkamerasystem erhältlich. Ansonsten äusserlich kaum verändert, wird der Xcient Fuel Cell technisch dank der umfangreichen Praxiserfahrungen aus über 20 Mio. in Europa zurückgelegten Kilometern kontinuierlich verbessert. Inzwischen wird unter dem Fahrerhaus die dritte Generation Brennstoffzelle eingebaut, welche statt der bisherigen 2×84 kW nun 2×110 kW leistet.

Im Sommer 2025 wurde HHM von der Hyundai Motor Company komplett in den Konzern integriert. Das ist aber keine Rückzugsankündigung bei Wasserstoff und Brennstoffzelle. Hyundai hat auch die Investition von 500 Mio. US$ in eine neue Fabrik in Südkorea zur Herstellung von Brennstoffzellen bekannt gegeben.

Text und Fotos: Martin Schatzmann

 

Toyota engagiert in Wasserstoff 
Fuel Cell und Infrastruktur

 

Toyota hat sich weltweit aufgestellt, um dem Energiewandel auf verschiedenen Wegen zu begegnen. Neben dem Hybrid- und Elektroantrieb arbeiten die Japaner am Wasserstoff-Verbrennungsmotor und an Brennstoffzellenlösungen. Die industriell hergestellte Brennstoffzelle (Bild) wird von diversen Partnern genutzt, wie Hyliko (siehe rechts) oder VDL. Zugleich unternimmt Toyota Anstrengungen, um grünen Wasserstoff über eine breite Tankinfrastruktur zur Verfügung stellen zu können. Zuletzt hatte Toyota Motor Europe vor einem Jahr eine Partnerschaft geschlossen mit Hydrogen Refueling Solutions, einem französischen Hersteller von Wasserstofftankstellen, und dem Energiekonzern Engie, um das Tankstellennetz europaweit auszubauen.

Martin Schatzmann