In den Jahren des Magnum – 50 Jahre International Truck of the Year – 1987 bis 1991

Fahrzeuge und Technik Ausgabe-03-2026

Im Jahr 1977 wurde die inzwischen wichtigste Auszeichnung in der Lkw-Branche, der International Truck of the Year IToY, erstmals verliehen. Rückblick Teil III.

IToY 1987 – MAN F90

Nach schwierigem Nutzfahrzeugmarkt Anfang der 1980er-Jahre, konnte MAN 1986 den neuen F90 vorstellen. Während Motor und Achsen modifizierte Versionen bestehender Komponenten waren, bot der Lastwagen ein komplett neues Chassis und eine neue, jedoch diskret gezeichnete Kabine. Letzteres prägte das MAN-Design bis Anfang der 2000er-Jahre. Als Gesamtpaket beurteilte die damalige Jury den F90 als «brillante Entwicklung». Das mithilfe von Computern entwickelte, komplett modulare Chassis war auf maximale Stabilität bei geringem Gewicht ausgelegt und konnte jegliche Fahrwerkskomponenten ohne Modifikationen übernehmen. Lanciert als 4×2 mit Sleeper-Cab kamen nach und nach andere Konfigurationen und unterschiedlich ausgelegte Kabinen dazu.

Richard Stanier

 

IToY 1988 – DAF 95

Mit dem DAF 95 wurde der niederländische Hersteller erstmals mit dem IToY-Award ausgezeichnet. Die Entwicklung war 1979 gestartet worden und als der 95 im August 1987 lanciert wurde, bot er eine neue Kabine, ein neues Chassis, eine neue Hinterachse und eine Elektronik, welche auf den bewährten, aber überarbeiteten 11,6-Liter-Motor abgestimmt war. Das 16-Gang-ZF-Getriebe hatte nicht mehr die übliche Doppel-H-Auslegung, sondern eine einfache H-Schaltung mit Schaltstock-Hebel für die Wahl der Übersetzungsebene. Bei der Fahrwerkabstimmung nutzte DAF die Motormasse, um Vibrationen via Vorderachse zu kompensieren. Mit dem 95 führte DAF diverse elektronische Systeme ein wie E-Gas, ABS und Steuerung der Luftfederung. Die neue Kabine war in Zusammenarbeit mit dem spanischen Hersteller Pegaso entstanden und berücksichtigte den Input zahlreicher Chauffeure. Für die diversen Kabinenvarianten standen je nach Einsatz drei Kabinenaufhängungen (Schraubenfedern, Luftfederung, Gummipuffer) bereit.

Richard Stanier

 

IToY 1989 – Scania Serie 3

Nach mehreren erfolglosen Anläufen mit Modellen der Serie 2 gelang es Scania, mit der neuen Serie 3 die Auszeichnung 1989 zu ergattern. Das neue Modell war eine Weiterentwicklung aus den bestehenden Komponenten. Die Kabine wurde in etlichen Bereichen verändert, mit unter anderem neuen Sitzen und Ausstattungen, aber auch einem neuen Armaturenbrett mit neu eingefassten und neu angeordneten Instrumenten und Bedienelementen. Dabei bestand weiterhin die Wahl zwischen drei Kabinen-Designs (G, P, R). Für den Langstreckeneinsatz gab es die R-Kabine zudem neu mit erhöhtem Kabinendach als «Topline», wobei die eher bescheidenen 220 mm wohl vor allem als Kompromiss zwischen mehr Innenraum und guter Aerodynamik zu sehen sein dürfte. Beim Antrieb hatten Scania-Kunden die Wahl zwischen acht Leistungsstufen aus drei Motorreihen (9,5 l, 11,0 l und 14-l-V8).

Richard Stanier

 

IToY 1990 – Mercedes-Benz SK

Dank der 18-monatigen Qualifikationsperiode konnte Mercedes-Benz seine Schwere Klasse SK nach der Niederlage gegen Scania im Vorjahr erneut für die Auszeichnung 1990 aufstellen und setzte sich bei der Jury gegen den Iveco TurboDaily und den Iveco TurboStar 480 durch. Die SK-Linie war eine Neuentwicklung, welche neue Motoren und Getriebe sowie neue Chassisrahmen mit der aus dem Vorgänger deutlich aufgewerteten Kabine verband. Das Chassis aus hochfestem Stahl war mit einer zentralen Schmierung versehen (mit 45 000 km Service-Intervall), die lediglich für Geländeeinsätze modifiziert wurde. Obwohl an den Vorgänger angelehnt, war die neue Kabine dank der ansteigenden unteren Fensterkante der Türen und deutlich mehr Kunststoff-Applikationen klar erkennbar. Neben diversen V8-Motoren (260–480 PS) kam im SK auch ein neuer 11-l-V6 mit Intercooler (330 PS) zum Einsatz. Die Mercedes-eigenen 9- und 16-Gang-Getriebe waren mit elektrischem Gangwechsel und ABS ausgestattet.

Richard Stanier

 

IToY 1991 – Renault Trucks AE «Magnum»

Wenn es einen Lastwagen gab, der die Aufmerksamkeit der 13-köpfigen Jury auf sich ziehen musste, dann war es Anfang der 1990er-Jahre der Renault AE. Ursprünglich war die Bezeichnung Magnum der höheren von zwei erhältlichen Kabinen-Ausstattungen vorbehalten, doch nutzte Renault ab Anfang 1992 den Begriff generell für die ganze AE-Linie. Das Konzept der Ingenieure für die Kabine war «etwas komplett anderes, vor der Idee, im Lastwagen zu leben». Dazu gehörte ein komplett ebener Innenboden, eine Innenstehhöhe von 1,87 m und eine möglichst wohnliche Gestaltung. Neu war auch der Aufstieg in die Kabine hinter der Vorderachse und hinter der Fahrertüre. Das Design und die ganze Konzeption waren derart neuartig, dass man sich in der Jury einig darüber war, in der Lastwagenbranche bislang noch nie einem Lkw dieser Machart begegnet zu sein.

Richard Stanier

 

IToY International Truck of the Year

 

Die IToY-Jury ist eine internationale Organisation, welche in 25 Ländern Europas vertreten ist. Mitglieder sind Redaktoren und Journalisten der renommiertesten Nutzfahrzeug-Publikationen. In der Schweiz wird IToY durch den «Routiers» vertreten. Angestossen wurde die Auszeichnung, welche jährlich jenen Lkw wählt, der in den Augen der Jury den grössten Beitrag zur Entwicklung des Strassengüterverkehrs leistet, im Jahr 1976 vom Briten Pat Kennett, der als Chefredaktor von «Truck Magazine» amtete. Heute ist IToY weltweit vernetzt, mit wichtigen Lkw-Publikationen in Südafrika, Brasilien, Australien/Neuseeland, China, Indien, USA usw.

truck-of-the-year.com

Martin Schatzmann