Einverstanden, mich interessieren ja vor allem richtig schwere Fahrzeuge, echte Lastwagen, doch prägen Lieferwagen die Transportwelt in grossem Masse mit. Und hierbei spielen die ganz Kleinen eine verstärkt wichtige Rolle, denn zunehmend wird die Zufahrt für Grossfahrzeuge in Städten und Ortszentren erschwert oder ganz beschränkt. Deshalb lohnt es sich, ab und zu auch in jenes Segment einen Blick zu werfen, das von Natur aus diese Schwierigkeiten löst. Hier steht der italienische Roller- und Fahrzeughersteller Piaggio zwar nicht im Weltmittelpunkt, ist aber mit dem Konzept des eben mal 4 m kurzen Porter schon lange eine interessante Alternative für beispielsweise Werkhof oder Gartenbau.
Moderner E-Antrieb
Nach Benzin- und zuletzt CNG-Antrieb hat Piaggio nun auch einen Elektroantrieb ins Angebot aufgenommen, der den Zusatz NPE trägt. Zu Beginn wurde der Porter NPE als reine Chassis-Version eingeführt, inzwischen sind auch eine Pick-up- und eine Kipper-Version dazu gekommen, letztere auch mit verlängerten Seitenwänden. Die Innenabmessungen der Ladebrücke betragen 2,38×1,62 m, beim langen Radstand 2,80×1,62 m.
In der Electric Drive Unit fasst Piaggio die E-Maschine, den Inverter und Getriebekomponenten zusammen, um ein kompaktes und leichtes Antriebssystem zu erhalten. Die 60 kW/82 PS Dauerleistung (130 kW/177 PS Peak) der E-Maschine reicht völlig aus, um das maximale Gesamtgewicht von 2,4 t auch in steileren Passagen sicher vorwärtszubringen. Je nach Ladebrückenversion beträgt die Nutzlast zwischen 730 und 880 kg. Im Anhängerbetrieb können 600 kg ungebremst und gebremst bis zu 1200 kg an den Haken genommen werden.
Die LFP-Batterie sorgt mit 42 kWh Kapazität für 207 km Reichweite, im Stadtzyklus für gar 255 km. Geladen wird an einer Haushaltssteckdose (2,3 kW), an einer Wallbox (11 kW) oder an einem Schnelllader (50 kW). Mit Letzterem dauert es eine halbe Stunde, um von 20 auf 70 % zu laden.
Kein Sonderangebot
Basis für die meisten Aufbauten ist die Chassis-Variante, die von Importeur Docar mit 49 000 Franken (ohne MwSt.) angeschrieben wird, für den längeren Radstand (3,07 statt 2,65 m) werden jeweils 1500 Franken zusätzlich veranschlagt. Der Pick-up mit festem Bett kostet ab 53 000 Franken, der Kipper mit elektrohydraulischem Kippsystem ab 55 500 Franken. Beim Erdgas-Modell Porter NP6 starten die Preise bei bereits 28 900 Franken, womit auch der Kleinst-Lkw elektrisch deutlich teurer ist. Das ist zwar noch klar unter Faktor 2 (bis 3), dass schwere E-Trucks heute mehr kosten, doch ein leichter E-Lieferwagen hat auch die Hypothek, dass er auf keine Vergünstigung à la LSVA-Erlass zählen kann.
Text: Martin Schatzmann
Fotos: Piaggio



