Trafos für das Stromnetz – Spezialtransport nach Mettlen LU

Transportwelt Ausgabe-05-2026

Nach dem Tunnel hat es dafür genügend Platz.

Friderici Spécial lieferte insgesamt sechs Transformatoren ins Schaltfeld Mettlen im Kanton Luzern. Die Transformatoren dienen dazu, das 380-kV- und 220-kV-Stromnetz stabil zu halten; und damit der strategischen Netzertüchtigung der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid.

Das Schaltfeld Mettlen befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Eschenbach (LU) und ist so schon rein geografisch perfekt ins Schweizer Stromnetz integriert. Nicht weniger als 17 Leitungen verbinden das Schaltfeld mit dem Hochspannungsnetz. Ab 1990 war das Schaltfeld mit einer Trafobank zur Längs- und Querregulierung ausgerüstet, die 600-MVA-Regelleistung bewältigen konnte. Anfang 2024 wurde diese ausser Betrieb genommen und durch eine neue 800-MVA- Trafobank ersetzt. Damals waren bereits acht Sondertransporte notwendig, um die je drei Längs- und Quertrafokessel ins Schaltfeld zu transportieren. Dazu kam je ein Reservetransformator, falls es zu einem Schaden käme.

Nun erfolgte die zweite Etappe des Ausbaus der Trafobank, wozu wieder je drei grosse Transformatoren (121 Tonnen Transportgewicht) und drei kleine Transformatoren (62 Tonnen Transportgewicht) nach Eschenbach gelangten.

Das Trafodesign richtete sich dabei auf die immer schwächere Strasseninfrastruktur, welche auch in der Schweiz dazu führt, dass Transformatoren immer leichter werden müssen. So müssen die Trafokessel neu auf ihre Basisfunktion wie Längs- oder Querregulierung reduziert werden. Während beispielsweise die Transformatoren in Laufenburg beide Regelarten in einem Kessel untergebracht bekamen, wären solch schwere Transformatoren gar nicht bis nach Eschenbach gelangt.

Ein weiterer Vorteil erschliesst sich für Swissgrid in der flexibleren Aufstellung der einzelnen Transformatoren. Swissgrid nennt diese Anordnung daher auch «Mittelland-, Voralpen- oder Alpen-Design».

Rückwärts zum Ziel

Die einzelnen Transformatoren sind jeweils 121 Tonnen beziehungsweise 62 Tonnen schwer, wenn sie transportiert werden. Betriebsbereit wiegen sie dann fast das Doppelte. Allerdings erfordern die Zubehör- und Trafoöltransporte keine zusätzlichen Sondertransporte. Friderici Spécial entschied sich, die kleinen Transformatoren im Tiefbett zu transportieren. Diese fuhren dieselbe Route wie die schwereren Transformatoren, waren aber am Tag unterwegs.

Die grossen Transformatoren wurden in die Hochträgerbrücke gehängt, die zwischen einem achtachsigen Fahrwerk vorne und einem 13-achsigen Fahrwerk hinten aufgebaut worden war. Dazu kamen noch je eine Zug- und eine Schubmaschine. Dadurch erreichte der Transport eine Gesamtzugslänge von 64,34 m und ein Gesamtgewicht von 327,8 Tonnen. Die Transformatoren wurden im Auhafen bei Basel geladen, bis hierhin waren sie auf dem Schiff gekommen. Der Transport führte vom Auhafen via Staffelegg bis nach Hendschiken, wo jeweils die grosse Lenkpause verbracht wurde. Von dort ging es dann in der zweiten Nacht via Villmergen – Muri – Gisikon nach Eschenbach. Die besondere Herausforderung war neben der S-Kurve in Muri vor allem das Rückwärtsfahren zum Schaltfeld, welches sich über ca. 500 Meter und einige Kurven erstreckte. Besonders die Einfahrt in das Schaltfeld hatte es in sich. Dabei musste der Transport jeweils so abgestellt werden, dass die Monteure des Transformators die Schienenlaufräder montieren und Zug- und Schubmaschine trotzdem abgehängt werden konnten. Die Fahrer verbrachten ihre Pause ausserhalb des Schaltfelds, da dieses in Betrieb ist und Fremdpersonen sich nicht ohne Fachpersonal von Swissgrid im Gefahrenbereich aufhalten dürfen.

Text und Fotos: Erich Urweider