Volvo löst sich von Flexis

Fahrzeuge und Technik Ausgabe-03-2026

Die ersten drei Modelle auf der neuen, softwaredefinierten Plattform hatte Renault letzten Frühling vorgestellt. Der Trafic Van (rechts) wird später durch einen Trafic mit Kastenaufbau und der Estafette für Paketdienste ergänzt.

Erst 2024 war Flexis gegründet worden, um modernste E-Lieferwagen zu entwickeln. Nun ziehen sich zwei Joint-Venture-Partner zurück und Flexis geht komplett an die Renault Group.

Mit der Renault Group (Personen- und Lieferwagen), der Volvo Group (Lastwagen, Baumaschinen, Marine-Motoren) und CMA CGM (weltweit tätiger, französischer Logistiker für Wasser- und Luftfracht sowie Landtransporte) hatten sich vor gut zwei Jahren drei sehr unterschiedliche Partner zusammengeschlossen, um der immer komplexeren Herausforderung der Letzte-Meile-Logistik gemeinsam zu begegnen. Das daraus entstandene Joint Venture Flexis sollte neue, sogenannte softwaredefinierte Elektro-Lieferwagen entwickeln und produzieren, und diese sollten über die verschiedenen Netze der drei Partner vertrieben werden. Bekannt gegeben hatten die drei Partner ihre Absicht erstmals im Oktober 2023, gegründet worden war Flexis dann im März 2024 und das erste Serienfahrzeug war im November 2025 vorgestellt worden, in Form des neuen Renault Trafic Van E-Tech Electric.

Mit dem Produktionsstart Ende 2026 vor Augen zeichnet sich nun eine grundlegende Veränderung der Struktur von Flexis ab, denn die Volvo Group und CMA CGM verkaufen ihre Anteile an Flexis (45 % resp. 10 %) an die Renault Group. Der behördliche Segen vorausgesetzt, soll die Transaktion bis Mitte Jahr abgeschlossen sein.

Pläne unbeirrt fortsetzen

Eine Begründung für diesen Schritt wurde weder von der Volvo Group noch von CMA CGM gegeben, hingegen hat die Renault Group bekräftigt, dass diese Veränderung weder auf die Produktziele noch auf den ursprünglichen Industrieplan Auswirkungen haben werde. Letzterer sieht gemäss Renault vor, «wegweisende Produkte und Dienstleistungen im Bereich der mittelgrossen, elektrischen Transporter anzubieten». Das erste Modell soll als neuer Trafic wie vorgesehen Ende Jahr im Werk Sandouville (Normandie) in Produktion gehen, die nächsten beiden Modelle sind bereits in der Pipeline. Bei der Renault Group, die von Beginn weg die Federführung in Fahrzeugentwicklung und Aufbau der Produktion innehatte, arbeiten knapp 1300 Personen an Flexis und führen die ursprünglichen Pläne an verschiedenen Standorten in der Hauptstadtregion und in der Normandie weiter.

Basis für die Flexis-Modelle bildet eine neue Skateboard-Plattform, die mit moderner 800-Volt-Architektur besonders effizientes Schnellladen ermöglicht. Dazu kommt die Elektronik-Architektur, welche die Wagen zu sogenannten softwaredefinierten Fahrzeugen macht. Letzteres ermöglicht es, Fahrzeuge sehr flexibel und kostengünstiger auf die unterschiedlichsten Transportbedürfnisse hin zu entwickeln.

Vertrieb auch über Renault Trucks

Ganz aus dem Projekt zieht sich die Volvo Group jedoch nicht zurück. Die Konzernmarke Renault Trucks bleibt als Partner und Investor in Flexis vertreten und wird die kommenden Modelle ab 2027 in seinem Vertriebsnetz anbieten. Damit führt Renault Trucks Vertriebs- und Servicetätigkeit weiter, die beim Lastwagen-Hersteller bislang schon länger mit den Red-Edition-Modellen von Renault Master und Renault Trafic zum Angebot gehört hat.

Text: Martin Schatzmann
Fotos: Renault / Solutrans