Warnsignale übersehen?

Aktuell Ausgabe-05-2026

Knapp drei Jahre nach der schweren Entgleisung eines Güterzugs im Gotthard-Basistunnel geraten die Abläufe in der Betriebszentrale der SBB erneut in den Fokus. Ein vertrauliches Gutachten im Auftrag der Tessiner Staatsanwaltschaft wirft den SBB laut Medienberichten vor, Warnsignale im Vorfeld des Unfalls nicht ausreichend beachtet zu haben. Demnach hätten auffällige Störungsmeldungen möglicherweise früher erkannt und der Zug gestoppt werden können. Die SBB weisen die Vorwürfe entschieden zurück. Die Betriebsführung habe «korrekt gehandelt», erklärte das Unternehmen diese Woche. Die eingesetzten Systeme seien dafür ausgelegt, die Infrastruktur zu überwachen – nicht jedoch den technischen Zustand der Güterwagen. Als Ursache des Unglücks gilt weiterhin ein Radbruch an einem Güterwagen. Dies hatte bereits die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST festgestellt. Der Unfall vom August 2023 hatte massive Schäden verursacht: Rund acht Kilometer Gleisanlagen im Tunnel mussten ersetzt werden, der Bahnbetrieb blieb monatelang eingeschränkt. Der Gesamtschaden wird auf rund 150 Millionen Franken geschätzt. Als Konsequenz haben die SBB inzwischen zusätzliche Entgleisungsdetektoren vor dem Tunnel installiert. Sie sollen künftig verhindern, dass entgleiste Züge in kritische Tunnelabschnitte gelangen oder Folgeunfälle auslösen.

Daniel von Känel (Foto: SBB CFF FFS)