Wenn Strassen der Hitze nicht mehr standhalten

Verkehr und Infrastruktur Ausgabe-08-2026

A13: Die Fahrbahn brach wegen der Hitze auf.

Der Hitzesommer 2026 brachte auch Nationalstrassen an ihre Grenzen: Auf der A13 brach die Fahrbahn gleich zweimal auf. Wie es dazu kommen konnte – und weshalb die Nationalstrassen für die Herausforderungen des Klimawandels dennoch gut gerüstet sein sollten.

Mehr als 35 Grad Lufttemperatur, glühend heisser Asphalt und gleich mehrere Hitzerekorde: Der Sommer 2026 wird in Erinnerung bleiben. Auf der A13 führte die extreme Hitze sogar zweimal zu einem seltenen Ereignis. Die Fahrbahn hob sich plötzlich an – ein sogenannter Blow-up. Für das Bundsamt für Strassen (Astra) bedeutete dies Soforteinsätze und Reparaturen, für Verkehrsteilnehmende Sperrungen und Umleitungen. «Auf dem Nationalstrassennetz sind Blow-ups zum Glück seltene Ereignisse», schreibt das Astra auf Anfrage.

Wenn es doch dazu kommt, sind es ältere Abschnitte des Nationalstrassennetzes, die betroffen sind. Unter der Asphaltdecke befinden sich dort noch Betonplatten aus früheren Bauweisen. Diese dehnen sich bei grosser Hitze aus. Normalerweise nehmen die Fugen zwischen den Platten diese Bewegung auf. Sind sie jedoch verschmutzt oder reicht ihr Spielraum nicht mehr aus, bauen sich enorme Druckkräfte auf. Können diese nicht seitlich entweichen, entladen sie sich nach oben und die Fahrbahn wölbt sich oder bricht auf.

Wenn jede Minute zählt

«Wird ein Schaden gemeldet oder bei einer Kontrollfahrt entdeckt, zählt schnelles Handeln», entgegnet das Astra. Die zuständige Gebietseinheit sichert die Gefahrenstelle zunächst ab und beurteilt den Schaden. Anschliessend erfolgt eine provisorische Reparatur, damit der betroffene Abschnitt möglichst rasch wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. Die endgültige Instandsetzung findet später im Rahmen geplanter Bauarbeiten statt – häufig nachts, um die Auswirkungen auf den Verkehr möglichst gering zu halten.

Moderne Beläge halten mehr aus

Die gute Nachricht: Die heutigen Nationalstrassen sind wesentlich widerstandsfähiger als frühere Generationen. Seit rund 15 Jahren schreibt das Astra für Deckbeläge polymermodifiziertes Bitumen vor. Durch die Beimischung von Polymeren bleibt der Belag auch bei grosser Hitze formstabil. Gleichzeitig werden in den unteren Schichten besonders robuste Bitumenmischungen verwendet, die den Belastungen durch Schwerverkehr und Temperaturschwankungen langfristig standhalten (vgl. Kasten). Selbst die früher häufig diskutierte Spurrinnenbildung spielt auf modernen Nationalstrassen heute kaum noch eine Rolle.

Doch auch moderne Beläge sind nicht vor Schäden gefeit – vor allem, wenn sie durch Unfälle oder Ähnliches vorbeschädigt sind. Der grösste Teil solcher Schäden – mehr als zwei Drittel – tritt im kalten Halbjahr auf. Allerdings weniger aufgrund von Minusgraden, sondern wegen der vielen Tauzyklen. Diese setzen der Strassenoberfläche am meisten zu.

Fit für den Klimawandel

Dabei machen nicht nur Hitzewellen den Nationalstrassen zu schaffen: auch Starkniederschläge, Unwetter oder Hangbewegungen nehmen zu und bringen Herausforderungen mit sich. Deshalb investiert das Astra laufend in Forschung und Entwicklung. Ziel sind Beläge, die sowohl extremen Hitze- als auch Kälteperioden noch besser standhalten. Gleichzeitig entsteht ein Klimamodell, das Wetterdaten von MeteoSchweiz mit Messdaten aus Sensoren in den Nationalstrassen verbindet. So soll künftig noch besser verstanden werden, wie sich der Klimawandel auf die Infrastruktur auswirkt und welche Bauweisen langfristig am widerstandsfähigsten sind.

Text: Fabienne Reinhard 
Foto: ASTRA

 

Was bedeutet ein Blow-up für Chauffeure?
– Geschwindigkeit reduzieren und Signalisation beachten
– Absperrungen nie umfahren
– Mit kurzfristigen Spurabbauten oder Umleitungen rechnen
– Nach provisorischen Reparaturen kann die Verkehrsführung vorübergehend angepasst sein