Ausgabe Nr. 3/2026

28 Ein Murgang zerstörte im Juni 2024 einen Teil der A13 im Misox. Dies hatte grosse Auswirkungen für den Verkehr auf der San-Bernardino-Route. Wer regelmässig mit dem Lastwagen unterwegs ist, kennt das: Auf dem Navi blinkt eine rote Linie, die Passstrasse ist gesperrt, der Tunnel zu. Der Verkehr staut sich kilometerweit – und der Zeitplan gerät durcheinander. Oft steckt eine Naturgefahr dahinter – Steinschlag, Felssturz, Erdrutsch, Murgang, Lawine oder Hochwasser. Besonders in den Alpen nehmen solche Ereignisse zu. Doch was heisst das konkret für Chauffeure? Und wird heute anders gebaut und saniert als früher? Alpenstrassen besonders betroffen Nicht jede Strasse ist solchen Naturgefahren gleich ausgesetzt. Rund 300 Kilometer – das entspricht etwa 10 bis 15 Prozent des Nationalstrassennetzes – liegen in exponierten Gebieten, vor allem entlang alpiner Achsen und Passstrassen wie Simplon, San Bernardino, Julier oder Brünig. Hier können Naturereignisse direkt auf die Fahrbahn wirken. «Besonders gefährdet sind Alpenpässe, Alpentäler und einzelne Abschnitte im Jura und Mittelland», sagt Cornelia Winkler, Naturgefahrenspezialistin beim Bundesamt für Strassen ASTRA, in einem Interview im ASTRANachhaltigkeitsbericht 2025. Darin macht sie auch klar, dass die Auswirkungen des Klimawandels deutlich spürbar sind: Starkniederschläge treten häufiger und intensiver auf als früher. Und Murgänge und Hochwasser sind Steinschlag, Murgänge und Lawinen treffen den Schwerverkehr besonders hart. Warum alpine Strassen immer häufiger gesperrt werden, wie der Klimawandel die Risiken verändert – und weshalb Schutzbauten heute robuster sein müssen als noch vor wenigen Jahren. Gesperrt wegen Naturgefahr Besser Umweg als Unfall TEXT: FABIENNE REINHARD FOTOS: KAPO GR/ DANIEL VON KÄNEL nicht mehr nur Sommerphänomene, sondern können ganzjährig auftreten. Dazu kommt der tauende Permafrost in höheren Lagen, der Hänge instabiler macht. Für Chauffeure bedeutet das: Ereignisse kommen schneller – und oft überraschender. Umso wichtiger ist eine Infrastruktur, die auf diese Entwicklungen vorbereitet ist. Jeder Abschnitt wird genau geprüft Als Betreiberin der Nationalstrassen ist das ASTRA verpflichtet, die Strasseninfrastruktur nach klar definierten Normen zu planen, zu bauen, zu unterhalten und zu betreiben. Bereits in der Planungsphase werden mögliche Naturgefahren berücksichtigt. Dafür analysiert das ASTRA das Schadensrisiko entlang des gesamten Nationalstrassennetzes – alle 100 Meter Autobahnstrecke. Dazu arbeitet es eng mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) zusammen. Gefahrenkarten zeigen, wo mit welchen Naturgefahren und in welchen Intensitäten zu rechnen ist. Bei Strecken mit hohem Risiko werden Schutzmassnahmen umgesetzt – etwa Steinschlagnetze, Lawinenverbauungen, Galerien oder Hangstabilisierungen. In extremen Situationen bleibt eine temporäre Sperrung manchmal die letzte Option. Für das ASTRA gilt es aber, Aufwand und Nutzen sorgfältig abzuwägen, denn nicht jede Gefahr lässt sich abwenden: «Wir schützen die Nationalstrassen nach Möglichkeit dort, wo die Natur den grössten Schaden anrichten könnte», erklärt Winkler im Interview. Regelmässige Überprüfungen Bestehende Schutzmassnahmen werden im Zuge des Unterhalts und der Erneuerung von Strassenabschnitten regelmässig überprüft und an die jeweils geltenden Standards angepasst. Auch neue Erkenntnisse aus Forschung und Praxis fliessen laufend in die Auslegung von Schutzmassnahmen ein, etwa bei Steinschlagnetzen, Galerien oder Lawinenverbauungen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Simplonpass: Nach einem Murgang im Juni 2024 wurde die damals verschüttete Schutzgalerie Engi gezielt verstärkt. So soll sie auch stärkeren Murgängen standhalten und dazu beitragen, dass die Simplonpassstrasse möglichst zuverlässig offen bleibt. Da in diesem Gebiet auch künftig mit Murgängen oder Steinschlägen gerechnet werden muss, überwacht das ASTRA den Hang oberhalb der Galerie permanent. Sensoren registrieren kleinste Bewegungen im Boden, Kameras liefern laufend aktuelle Bilder. Ergänzend misst eine Wetterstation unter anderem die Niederschlagsmenge. Wird eine akute Gefahr erkannt, greift das

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