Brummiferien (Teil 2)

In den Ferien kann man sich faul in den Liegestuhl legen, man kann Berge erklimmen oder, wie Helmut Riede, Kursleiter Les Routiers Suisses, Lastwagen fahren. Nicht nur ums Hauseck, sondern etwas weiter. In loser Folge berichtet er auch diesen Sommer von seiner Europatour.

Über das Wochenende werden die italienischen Momente genossen: Besuch des Städtchens San Stino di Veneto, Cappuccino im Strassencafé und feines Essen. Die Woche startet mit einer Tour durch das Veneto. Sieben Ladestellen stehen auf dem Programm. Wein, Prosecco, Pasta und Pesto stehen auf den Ladepapieren. Gegen Abend geht es noch ein Stück Richtung Salzburg. Am nächsten Tag führt mich die Route weiter Richtung Padborg. Am Mittwochmorgen wird der Trailer abgestellt und eine grosse Pause beginnt. Der Donnerstag steht im Zeichen Dänemarks. Eine Ladung Gemüse und Früchte soll in Vejle und Horsens angeliefert werden. Anschliessend geht es nach Hirtshals, um eine Ladung Lachs aus Island zu übernehmen und zurück nach Padborg zu bringen.

Der Lachs wird am Samstag in Boulogne-sur-Mer erwartet. Den Trailer zieht eine andere Besatzung weiter. Für mich gibt es wieder einen anderen Auflieger. Laden in Hamburg ist angesagt – diesmal wieder Proviant für «Mein Schiff 4». Der Lieferort ist Piräus. Diesmal geht es über die klassische Strecke auf dem Landweg Richtung Griechenland: einmal quer durch Deutschland, vorbei an Berlin und Dresden, durch Tschechien und die Slowakei nach Ungarn. Dort gilt ab Samstagnachmittag bis Sonntagabend ein Fahrverbot. Im Autohof in Tatabanya wird die Ruhezeit eingehalten, bevor es am Sonntag weitergeht.

Am Sonntagabend wird wieder gestartet. Kaum auf der Autobahn Richtung Budapest, beginnt eine 45 Kilometer lange Baustelle. Obwohl ordentlich Verkehr herrscht, läuft alles problemlos. Vorbei geht es an Budapest auf der Transitstrecke Richtung Serbien und Rumänien. Endlos zieht sich die Autobahn dahin – Kilometer um Kilometer durch die Nacht. Auf der Gegenseite sind unzählige Lkw Richtung Budapest oder sonst wohin unterwegs. Dann wird Richtung Rumänien abgebogen. Beim «Zollamt» muss eine Tagesvignette bezogen werden. Anschliessend geht die Fahrt auf einer relativ guten Autobahn weiter Richtung Timisoara. Die Strassenverhältnisse ändern sich jedoch schlagartig, als es auf die E 70 beziehungsweise die Hauptstrasse 6 geht. Vorbei an Lugosch führt die Route nun auf sehr interessanten Strassen weiter nach Widin.

Zahlreiche Schlaglöcher scheinen noch aus den 80er-Jahren bekannt zu sein. Entweder haben sie sich gehalten oder wurden neu angelegt. An der Grenze zu Bulgarien wird erneut eine Maut fällig. Weiter geht es auf fahrerisch anspruchsvoller Strecke Richtung Sofia. Entlang der Strasse herrscht teilweise immer noch Armut wie einst – man könnte meinen, die Zeit sei stehen geblieben. Was aus der «guten alten Zeit» geblieben ist, sind die riesigen Parkplätze und TIRs, Restaurants und Sanitäranlagen. Im Gegensatz zum deutschsprachigen Raum sind diese sauber und kostenlos.

Nachdem Bulgarien hinter mir liegt, geht es auf der griechischen Autobahn zügig Richtung Athen. Am Mittwochmorgen ist Treffpunkt mit «Mein Schiff 5» im Hafen von Piräus. Nachdem viel frisches Obst und Gemüse angeliefert wurde, darf ich meine Waren für den Shop, die Wäscherei und andere Abteilungen löschen. Zwischenzeitlich wird das Leergut bereitgestellt, das meine Rückladung bildet. Dazu kommen Dekorationsmaterial und Bühnentechnik. Die Zollabfertigung wird direkt am Schiff erledigt. Nachdem der Auflieger wieder gefüllt und verschlossen sowie T1 und Frachtbrief ausgefüllt sind, kann die Reise erneut starten. Knapp 2700 Kilometer liegen nun wieder vor mir. Zurück geht es wieder über Land: einmal entlang der griechischen Ostküste nach Bulgarien, anschliessend im Transit weiter durch Rumänien, Ungarn, die Slowakei, Tschechien und Deutschland nach Herzsprung zur grossen Pause.

Am Montagmorgen geht es weiter nach Hamburg, um die Waren anzuliefern. Damit findet dieses Abenteuer wieder sein Ende. Es hat wieder einmal viel Spass gemacht. Danke an alle im Hintergrund, die daran mitgewirkt haben. (Text und Fotos: Helmut Riede)

Hier gehts zum ersten Teil