22 FAHRZEUGE UND TECHNIK Cellcentric bietet seine neuste Brennstoffzelle neben Lastwagen auch für andere Schwerlastanwendungen, wie Baumaschinen und Energieerzeugung, an. Die neue Brennstoffzelle von Cellcentric (BZA375, rechts) ist deutlich kompakter als die erste Version (BZA150, links) und ist unter anderem auch mindestens doppelt so leistungsfähig. BALD 3. PARTNER BEI CELLCENTRIC? Toyota würde Pkw-Know-how einbringen Bislang ist Cellcentric ein 50:50-Joint-Venture zwischen Daimler Truck und der Volvo Group (u. a. mit Volvo Trucks, Renault Trucks). Nun haben beide Konzerne mit Toyota eine Absichtserklärung unterzeichnet, damit der weltweit grösste Automobilhersteller als zusätzlicher dritter und gleichberechtigter Partner bei Cellcentric einsteigen kann. Toyota bringt eine über 30-jährige Erfahrung im Bereich der Brennstoffzellenentwicklung im Pkw-Sektor mit, welche als interessante Ergänzung für die auf Schwereinsatz konzipierte Brennstoffzelle von Cellcentric angesehen wird. Die Absichtserklärung wurde von Karin Rådström, Präsidentin und CEO von Daimler Truck, Koji Sato, Präsident und CEO von Toyota, und Martin Lundstedt, Präsident und CEO der Volvo Group, unterzeichnet. Aktuell laufen fortführende Verhandlungen, eine endgültige Entscheidung zur Eigner-Erweiterung von Cellcentric ist noch nicht gefallen. Martin Schatzmann Vor fünf Jahren haben die Daimler Truck AG und die Volvo Group das Joint Venture Cellcentric gegründet, um mit vereinten Kräften eine Brennstoffzelle für den Einsatz in Lastwagen zu entwickeln. Von Beginn weg war auch der Einsatz in anderen Schwerlastanwendungen vorgesehen und hat dazu neben anderen Strassen-, Baustellen- und Schienenfahrzeugen auch die stationäre Energieerzeugung im Fokus. Nachdem ein erstes Brennstoffzellensystem (BZA150) bei Volvo Trucks und bei Mercedes-Benz Trucks im Erprobungseinsatz steht, hat das bei Stuttgart beheimatete Unternehmen im April eine zweite Generation Brennstoffzelle vorgeCellcentric hat die neuste Brennstoffzelle für Schwerlasteinsätze vorgestellt. Sie ist nun verfügbar für potenzielle Kunden, zur Durchführung von Tests und Validierungen. TEXT: MARTIN SCHATZMANN FOTOS: CELLCENTRIC / MARTIN SCHATZMANN Fuel Cell, zweite Generation stellt, die deutliche Vorteile gegenüber dem ersten Modell aufweist. Das Brennstoffzellen-Interface wird übrigens vom Schweizer Unternehmen Brusa HyPower AG geliefert. Kompakter, leistungsfähiger Während die ursprüngliche Brennstoffzelle eine Leistung von 150 kW bot – daher die Bezeichnung BZA150 – und im Doppelpack für den Lastwageneinsatz auf 300 kW kommt, braucht es für die gleiche Leistungsfähigkeit von der neuen Brennstoffzelle mit 375 kW nur eine einzelne Einheit. Entsprechend als BZA375 bezeichnet, benötigt die neue Brennstoffzelle weniger Platz, was die Integration in bestehende Fahrzeugarchitekturen erleichtert. Das ganze Paket ist dabei auf den Bauraum konventioneller 13-LiterDieselmotoren ausgelegt. Im Betrieb reduziert sich der Wasserstoffverbrauch gegenüber dem ersten System um 20 %, was gemäss ersten Erfahrungen in einem Verbrauch von weniger als 6 kg H2/100 km resultiert. Beim bislang einzigen serienmässig hergestellten BrennstoffzellenLkw, dem Hyundai Xcient Fuel Cell, liegt der Verbrauch bei rund 7,5 kg H2/100 km, was in etwa auch dem Wert der ersten CellcentricBrennstoffzelle entspricht. Cellcentric konnte weitere Eckwerte um rund 40 % verbessern. Dank deutlich weniger Komponenten und Schnittstellen nimmt die Komplexität des Systems um rund 40 % ab. Die Leistungsdichte wiederum wurde um besagte 40 % gesteigert, was mit ein Grund für die verringerte Baugrösse darstellt. Und deutlich kompaktere und preiswertere Kühlsysteme ergeben sich durch die um 40 % reduzierte Abwärme der Brennstoffzelle. Gleichzeitig hat die Haltbarkeit des Systems in keiner Weise gelitten, so dass Cellcentric eine Lebensdauer von mindestens 25 000 Stunden garantiert, was gemäss MercedesBenz in einem schweren Lastwagen einer Lebensdauer von zehn Jahren entspricht. In Erprobung Aktuell läuft bei Cellcentric die Prototypenfertigung und erste Brennstoffzellen BZA375 durchlaufen seit Monaten Leistungs- und Haltbarkeitstests. Zudem stehen nun auch ausgereifte Prototypen den Cellcentric-Kunden für eigene Test- und Validierungsaktivitäten zur Verfügung. Bis die neue Brennstoffzelle aber in grosser Serie vom Band läuft, werden noch ein paar Jahre benötigt, denn Cellcentric stellt den Start der Serienfertigung auf Ende des Jahrzehnts in Aussicht. ■
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